Meryl Streep und die Panama Papers

Abenteuerlich, aber unfertig: Steven Soderbergh zeigt am Filmfestival Venedig «The Laundromat».

Auf der Jagd nach Briefkastenfirmen: Meryl Streep im Film «The Laundromat». Foto: PD

Auf der Jagd nach Briefkastenfirmen: Meryl Streep im Film «The Laundromat». Foto: PD

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Wenns um Steuerschlupflöcher oder Briefkastenfirmen geht – also um Mittel, die den Superreichen dieser Welt helfen, ihren Reichtum zu mehren –, ist man ja bezüglich Verständnis und Verständlichkeit bald einmal überfordert. Umso besser, wenn nun wieder mal ein filmischer Erklärungsversuch gestartet wird, und zwar von Regisseur Steven Soderbergh bezüglich der Panama Papers.

In «The Laundromat» gehts um jenen aufsehenerregenden Fall von 2016, als vertrauliche Dokumente aus der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca aufgrund eines Datenlecks an die Öffentlichkeit gerieten. Über 15'000 Briefkastenfirmen waren dort registriert, worauf weltweit zahlreiche Politiker und Unternehmer in Erklärungsnot gerieten, weil sie darin verwickelt waren. Nur eben: Wie zeigt man so was im Kino?

Soderbergh und sein ständiger Drehbuchautor Scott Z. Burns haben dafür einen verblüffenden Ansatz gefunden: Sie lassen Jürgen Mossack (Gary Oldman) und Ramon Fonseca (Antonio Banderas) gleich selbst als Conferenciers im Smoking auftreten und direkt in die Kamera sprechen. Da erfährt man dann einiges von ihrem Verständnis des Geldflusses in der Welt und natürlich von ihrer wiederholt beteuerten Unschuld.

Conferenciers im Smoking: Gary Oldman und Antonio Banderas in «The Laundromat». Foto: HO

Zugleich werden mehrere Einzelschicksale von Betroffenen gestreift, zum Beispiel jenes der Rentnerin Ellen Martin (Meryl Streep), die bei einem Bootsunglück in New York ihren Mann verliert und danach erfährt, dass die verantwortliche Versicherung dank zahlreicher Winkelzüge nur ein Trinkgeld bezahlen muss. Die Seniorin lässt das nicht auf sich sitzen, sondern forscht den Verantwortlichen nach, um diese zur Rechenschaft zu ziehen.

Allerlei kuriose Begebenheiten

So weit, so griffig: Hier die Betrogenen, dort die Drahtzieher. Es könnte packend weitergehen, und Soderbergh und Burns fahren denn auch allerlei kuriose Begebenheiten auf. Zum Beispiel, als eine Angestellte von Mossack Fonseca von einer herunterfallenden Stromleitung erschlagen wird. Die Kanzlei muss darauf eine neue Strohfrau suchen, welche als Präsidentin von 25'000 Firmen ebenso viele Dokumente zu unterschreiben hat.

Diese Episoden, die sich irgendwo zwischen den USA, Panama, der Karibik und China zutragen, funktionieren im Einzelnen ganz gut. In der Summe verlieren sie jedoch von ihrer Kraft, da die Querverbindungen zu lose, die Erklärungen zu verschwurbelt wirken. Da helfen auch erklärende Animationen zum Geldfluss nicht weiter.

Die Journalisten werden nicht erwähnt

Und wo bleiben eigentlich die Journalisten – namentlich von der «Süddeutschen Zeitung» und hierzulande von der «SonntagsZeitung» –, die vom Whistleblower John Doe die Panama Papers zugespielt bekamen und diese aufbereiteten? Sie werden in diesem Film schlicht ausgespart. Stattdessen liefern Soderbergh und Burns eine ziemlich abenteuerliche Hypothese, wer sich hinter dem Allerweltsnamen John Doe verborgen haben könnte. Es ist eine Pointe, die leider allzu früh absehbar wird. Was bleibt, ist, was im Schlussbild aus den Kulissen gezaubert wird: «The Laundromat» wirkt wie das Gerüst zu einem Film, den man gerne gesehen hätte, aber hier leider nicht bekommen hat.

Der Trailer zum Film «The Laundromat». Quelle: Netflix

Ab Oktober auf Netflix

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