Auf ein ­Spässchen mit Russell Crowe

Oscarpreisträger Russell Crowe («Gladiator») war das Raubein vom Dienst. Jetzt macht er in «The Nice Guys» auch auf Komödiant. Lustig? Und wie! Bloss über sein Image will Crowe beim Interview nicht reden.

«Ich habe noch keine Sekunde über mein Image nachgedacht», sagt Oscarpreisträger Russell Crowe

«Ich habe noch keine Sekunde über mein Image nachgedacht», sagt Oscarpreisträger Russell Crowe

(Bild: Keystone)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Viele lieben ihn. Viele fürchten ihn. Beides mit gutem Grund. Russell Crowe ist ein Schwergewicht, das in Hollywood vor allem mit körperlichen Rollen («Gladiator», «Noah») punktete. Physische Präsenz markierte der gebürtige Neuseeländer auch abseits der Leinwand, wenn er Schauspielerkollegen und Paparazzi vermöbelte oder einem Hotelconcierge das Telefon ins Gesicht warf.

Solche Ausraster sind über zehn Jahre her, aber beim Interviewtermin in Cannes zuckt man dennoch ­zusammen, wenn sich dieser Bär von einem Mann zu Tisch setzt und hemdsärmelige Lockerheit versprüht.

Wir sitzen hoch über der Côte d’Azur im Hotel du Cap, eingepfercht in eine Mini-Erholungslounge. Unten tost die Brandung. Kein Fluchtweg weit und breit. Aber das einstige Raubein Russell Crowe ist gut drauf. Bei der Pressekonferenz zu «The Nice Guys» (siehe Filmkritik) wurden er und Ryan Gosling mit Bud Spencer und Terrence Hill verglichen. Crowe, der inzwischen eine stattliche Pauke trägt, fands lustig. Und setzte noch einen drauf: Falls ihm je eine Superheldenrolle angeboten werde, wolle er lieber Fatman als Batman spielen. Selbstironie in Ehren, aber passt das zum einstigen Schwerenöter?

Nun, in «The Nice Guys» harmonieren Crowe und Gosling so gut, als ob sie nie etwas anderes als Buddy-Komödien gedreht hätten. Wie entstand diese Chemie? Crowe erklärt: «Es fing an, als ich Ryan anrief. ‹Hello, hier ist Russell Crowe!› Da flüsterte Ryan: ‹Oh, Mister Crowe, ich habe Ihren Anruf befürchtet. Tut mir leid, dass ich in den letzten Jahren alle Ihre Tricks geklaut habe.› Das war charmant und lustig. Und ich wusste: Wir haben denselben Humor.»

Wie aber muss man sich die Vorbereitung für eine Slapstickszene mit ständig zufallender Toilettentür vorstellen? «Ryan und ich haben uns 45 Minuten über diese Szene unterhalten. Wenn uns jemand belauscht hat, muss er uns für komplett bescheuert gehalten haben. Spätestens als wir darüber fachsimpelten, was die beste Art wäre, Ryans Arm im Film zu brechen.»

Und was sagt Gosling? Nichts. Der Co-Star ist zum Zeitpunkt des vereinbarten Interviews bereits abgereist. Vielleicht, weil seine Partnerin Eva Mendes gerade ihr zweites Kind zur Welt ­gebracht hat? Vielleicht, weil er noch sauer ist, dass die Presse sein Regiedebüt «Lost River» (2014) just in Cannes versenkte? Wir erfahren es nicht.

Punkto ­Regiedebüt und Vaterschaft ist allerdings auch Russell Crowe kompetent. «Ich habe Ryan beobachtet, wie er sich am Set für seine Filmtochter Angourie Rice eingesetzt hat. Wie er ihr Vertrauen gewann. An der Premiere sagte ich ihm: Du hast einen tollen Job gemacht, du wirst ein fantastischer Vater sein!»

Was den Beruf betrifft, verbindet die Schauspieler eine weitere Gemeinsamkeit: Fast gleichzeitig wie Gosling legte auch Russell Crowe sein Regiedebüt («The Water Diviner») vor. Hat sich seither seine Auffassung vom Filmbusiness verändert? «Nein, ich wusste immer, dass ich recht habe», sagt er, lacht hinter der Sonnenbrille. Und ergänzt: «Du kannst als Regisseur noch so ­geniale Ideen, Bilder und Musik haben – wenn du keine erstklas­sigen Schauspielleistungen hast, dann hast du keinen Film.»

Entsprechend sorgsam müsse man mit diesen Ressourcen umgehen. «Bei ‹Gladiator› sagte ich zu Ridley Scott: ‹Du kannst mich gerne 50-mal dieselbe Szene spielen lassen. Aber pass auf: Es ist wie bei Rennpferden. Wenn du sie 49-mal schindest, musst du nicht erwarten, dass sie im 50. Anlauf das Rennen gewinnen.»

Klingt da eine Spur Rechthaberei mit? Oder ist Crowe froh, dass er jetzt das Image des Kriegers mit dem des Komödianten vermählen konnte? «Was meinen Sie damit?» Die Miene des Schauspielers verdüstert sich, er legt die Sonnenbrille ab. «Ich habe noch keine Sekunde meiner verdammten Existenz über mein Image nachgedacht. I couldn’t give a shit. Ich gehe einfach zur Arbeit und tue mein Bestes. Das ist alles.» Dann lacht er, steht auf und verabschiedet sich. Das Interview ist zu Ende. Tief unten tost noch immer die Brandung.

Lesen Sie hier die Kritik zum Film.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt