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Blutiger Ernst eines Rächers

Erdig, witzig, packend: «Quantum of Solace» entwickelt sich unter dem Schweizer Regisseur Marc Forster vom hektischen Anfangsgeballer zum malerischen Actionepos. Bloss die Bösewichte bleiben farbarme Kreaturen.

Es zischt und splittert, kracht und knackt. Kaum hat man sich im Kinosessel niedergelassen, rast James Bond (Daniel Craig) im beschossenen Aston Martin eine dicht befahrene Seestrasse in Italien entlang, rettet sich in einen Steinbruch – und überlebt knapp. Wie, lässt sich nicht sagen. Es geht einfach zu schnell in diesem nach Vorbild der «Bourne»-Trilogie mit Matt Damon verhäckselten Vorspann.

«Quantum of Solace» schliesst an den Vorgängerfilm «Casino Royale» an, hat aber mit dessen Machart wenig gemein. So hat Regisseur Marc Forster das 007-Logo ans Ende verbannt. Erstmals bei Bond gibts Zwischentitel (um das weltumspannende Gehetze zu ordnen). Und mit einem Übeltäter namens Mr.White (Jesper Christensen) im Schlepptau wird Bonds Mission – auch das ist neu – zum persönlichen Rachefeldzug. Es gilt, den Mord an seiner Geliebten Vesper Lynd zu sühnen. Wenn dabei auch ein paar Gauner der von Dominic Greene (Mathieu Amalric) geleiteten Geheimorganisation Quantum ins Gras beissen – umso besser.

Killen ja, ermitteln nein

Entsprechend rabiat packt 007 zu, lässt sich selbst von seiner Chefin M (Judi Dench) kaum bändigen. «Versuchen Sie, nicht jede Spur zu killen!» mahnt diese genervt. Nützen tuts wenig, auch wenn M so viel Präsenz hat wie nie und zum eigentlichen Bondgirl avanciert. Olga Kurylenko als (scheinbarem) Gangsterliebchen Camille bleibt die Rolle der waidwund blickenden Solariums-Beauty. Und Agentin Fields (Gemma Arterton) endet, kaum hat sie die Leinwand betreten, als menschliche Ölfigur – eine Referenz an Shirley Eatons Goldlack-Tod in «Goldfinger». Je länger der Film dauert, desto rhythmischer, witziger und raffinierter wird diese Agentenhatz. Erster Höhepunkt sind die Szenen auf der Seebühne in Bregenz, als Bond während der «Tosca»-Oper seine Gegenspieler enttarnt. Spätestens da zeigt sich, wofür Forster vom Bond-Imperium Eon geholt wurde: für klassischen Stil und moderne Gefühlsseismografie.

Forster lässt Ms Büro in London als Touchscreen-Tempel in metalligem Grün erstrahlen, während in Bolivien ein Hotel, ein Steinbruch und ein wabenartiger Staudamm in ocker-goldener Grandezza glänzen. Schade nur, sind die Bösewichte kaum gefordert. Der sonst solide Mathieu Amalric («Le scaphandre et le papillon») blickt stets leicht amüsiert, während er seine krummen Ökogeschäfte abwickelt. Und der Schweizer Anatole Taubman als dessen Handlanger klönt in Haiti ins Telefon: «Ja Mami, es isch scho chli heiss da» – bevor er zur funktionslosen Tapete wird.

Martini? Sex? Ein bisschen

Umso stärker setzt sich der vielgescholtene Daniel Craig ins Szene. Nach dessen Bulldozer-Auftritt in «Casino Royale» gibt er diesmal den verwundeten Rächer, der um Contenance ringt. Als einer seiner treuesten Gewährsmänner in seinen Armen stirbt, entsorgt er die Leiche mangels Zeit in einer Mülltonne. Auch für Martinis und Sex bleibt kaum Zeit. Mit «Quantum of Solace» ist Bond endgültig in der harten Realität angekommen.

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