Zum Hauptinhalt springen

Das Drama des Peter K.

Er hatte als Bieler «Amok-Rentner» Schlagzeilen gemacht, nun wird die Geschichte von ­Peter Hans K. verfilmt. Nicht ­dokumentarisch, sondern als ­Drama.

Der Zugriff: Acht Jahre nach der Verhaftung wird die Geschichte des renitenten Bieler Rentners Peter Hans K. verfilmt.
Der Zugriff: Acht Jahre nach der Verhaftung wird die Geschichte des renitenten Bieler Rentners Peter Hans K. verfilmt.
Matthias Käser

Ein alter Mann schleppt sich ­keuchend den steilen Wald zu einer hell leuchtenden Felswand hoch. Sie begrenzt die Ebene von Plagne. Der alte Mann ist Peter K., seit Tagen auf der Flucht, nachdem er einen Polizisten angeschossen hat und aus dem umstellten Haus im Lindenquartier in Biel entwischt ist.

Die Polizei sucht ihn fieberhaft, mit Spezialeinheiten, Hunden und einem Super Puma. Der Mann bleibt stehen, schaut sich um. Als er die Vögel pfeifen hört, huscht ein Lächeln über sein ­Gesicht.Die Szene stammt aus dem neuen Film des Bieler Regisseurs Laurent Wyss. Die Dreharbeiten für «Peter K. – Alleine gegen den Staat» haben letzte Woche auf dem Bözingenberg begonnen. Auf den Tag genau acht Jahre nachdem der «Amok-Rentner», wie ihn die Medien nannten, nach neuntägiger Flucht von der Polizei verhaftet worden war.

Schwierig zu finanzieren

An diesem Nachmittag befinden sich in Plagne ein Dutzend Personen am Set, unter anderem eben auch Hauptdarsteller Manfred Liechti, der Peter Hans K. spielt. Es ist 14 Uhr. Die Crew ist seit 5 Uhr in der Früh auf den Beinen und hat erst gefrühstückt. «Wir drehen noch eine weitere Szene, dann gibts das Mittagessen», ruft der 41-jährige Regisseur. In der Folge werden es allerdings doch noch zwei Szenen. Sie müssen je vier- bis fünfmal wiederholt werden. Mal stimmt ein schauspielerisches Detail nicht, mal leuchtet die Sonne zur falschen Zeit an den falschen Ort, mal läuft etwas mit der Aufnahme schief.

Das Mittagessen findet kurz nach 15 Uhr auf einer kleinen Lichtung statt. Obwohl nun der Moment da ist, durchzuatmen, essen jeweils nur drei, vier Per­sonen gleichzeitig. Die anderen bringen ihre Ausrüstung auf Vordermann oder erledigen dringende Telefonate.

Die Filmcrew setzt sich aus Vollprofis und halbprofessionellen Laien zusammen. Viele haben für die Dreharbeiten eigens Ferien genommen. Als Produzent hält Pedro Haldemann abseits des Sets die Fäden in der Hand. Seit acht Jahren arbeitet er als Geschäftsführer der Insertfilm AG. Er kümmert sich auch um die Finanzierung des Films. Insertfilm bringt über 30 Jahre Erfahrung mit und hat mit dem Roadmovie «Welcome to Iceland» den Berner Filmpreis gewonnen.

Die grösste Schwierigkeit für die Produktion war und ist das Geld. Ursprünglich ging man von einem Budget von 1,5 Millionen Franken aus. Als der Bund eine Absage erteilte und auch das Schweizer Fernsehen nicht mitmachen wollte, zog Haldemann im dritten Jahr seinen «Plan C» aus der Schublade. «Wir wollten endlich beginnen», erklärt er. Alle wichtigen Leute hätten zugesagt, auch wenn sie wenig oder nichts dabei verdienten.

Jetzt hat die Filmförderung des Kantons Bern doch noch ihre Unterstützung zugesagt, sodass mit rund 350 000 Franken ein Drittel des reduzierten Budgets steht. Vielleicht kommt aus dem Kanton Solothurn noch etwas dazu. Trotzdem: «Unser Budget ist lächerlich klein für einen solchen Film. Aber mit dem Enthusiasmus der Leute ziehen wir das nun durch.»

Wieso er bei einem Film über eine derart umstrittene Person wie Peter Hans K. eingestiegen sei? «Ich kannte den Fall nur aus der Presse», sagt Haldemann. «Als ich das Drehbuch von Laurent Wyss las, realisierte ich, wie oberflächlich ich informiert war.» Die dramatisierte Form der Realität bringe ihm die Geschichte viel näher als ein Dokumentarfilm. «Das hat mich fasziniert.»

Zusammen viel gelacht

Mit Peter Hans K. habe er sich intensiv auseinandergesetzt. «Er ist eine sehr komplexe Figur.» Er habe in einer schwierigen Situation gesteckt. «Ich hätte wahrscheinlich nicht geschossen, aber der Fall bewegt sich in einer Bandbreite, in der die Situation kippen kann.» Diesen schmalen Grat gebe es für alle.

«Viel braucht es nicht, bis wir in einer solchen Situation sind.» Zudem sei auch der Schuldspruch respektive die kleine Verwahrung ein Thema. «Wenn er für schuldfähig erklärt worden wäre, was Peter Hans K. immer wollte, hätte er seine Schuld wohl abgetragen und wäre heute wieder draussen.»

Ihn störe, schliesst Haldemann, dass Peter Hans K. keine Chance habe, wieder in Freiheit zu leben.

Der Mann, der dem Rentner im Film ein Gesicht gibt, ist der 62-jährige Berner Schauspieler Manfred Liechti. Ihn kennt man aus dem Film «Die Herbstzeitlosen», wo er, wie er sagt, den «einzig sympathischen Mann» spielte. Nun spielt er einen Mann, der sich kaum als Sympathieträger eignet. Wie hat er sich auf die Rolle eingelassen? «Ich konnte Pe­ter Hans K. kürzlich besuchen», erzählt Liechti. Wenn er nicht gewusst hätte, dass Peter Hans K. als krank bezeichnet werde, wäre ihm das nicht aufgefallen. Er habe eine Stunde lang mit ihm gesprochen: «Er war ein sympathischer älterer Herr. Wir haben uns Geschichten erzählt und viel ­ge­lacht.»

Bis die Sonne verschwindet

Um 15.45 Uhr ist die verspätete Mittagspause vorbei. Die Dreharbeiten gehen weiter, bis um 18.25 Uhr die Sonne hinter dem Berg verschwindet. Die Crew am Set hat nun keine ruhige Minute mehr, bis der letzte Take im Kasten ist. Im Winter werden dann die Szenen im Gericht gedreht, im Frühling folgen die Aufnahmen in Biel.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch