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Der Abend des Aussenseiters

Überraschung beim Schweizer Filmpreis: Nicht «Wolkenbruch», sondern «Ceux qui travaillent» heisst der grosse Sieger.

Der Westschweizer Regisseur Antoine Russbach gewinnt den Schweizer Filmpreis 2019 mit seinem Film «Ceux qui travaillent».
Der Westschweizer Regisseur Antoine Russbach gewinnt den Schweizer Filmpreis 2019 mit seinem Film «Ceux qui travaillent».
Martial Trezzini, Keystone

Man weiss ja, dass es Komödien tendenziell schwer haben, wenn es um Auszeichnungen geht. Und man weiss auch, wie oft Publikumserfolge beim Schweizer Filmpreis schon untendurch mussten. Trotzdem hätte niemand ernsthaft damit gerechnet, dass Michael Steiners favorisierte Komödie «Wolkenbruch» in Genf Schiffbruch erleiden könnte. Der Film über einen orthodoxen, zur Heirat verknurrten Juden, der bis heute 280000 Zuschauer begeisterte, holte lediglich den Preis für den besten Hauptdarsteller (Joel Basman).

Der Sieger von Genf kommt jedoch aus Genf. In seinem Debütfilm «Ceux qui travaillent» zeigt Antoine Russbach anhand eines Traders, der internationale Schiffstransporte koordiniert, wie der Kapitalismus Menschen frisst. Nach einer moralischen Fehlentscheidung wird der vom belgischen Schauspieler Olivier Gourmet verkörperte Workaholic aus der Firma entlassen. In der Folge weiss er weder mit sich noch mit seiner luxusverwöhnten Familie etwas anzufangen.

«Ceux qui travaillent» ist in qualitativer Hinsicht zweifellos ein verdienter Sieger. Sein Manko ist bloss, dass er letzten Herbst quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Kinos lief. 1500 Zuschauer in der Deutschschweiz, 3500 Zuschauer in der Romandie – so lautet die magere Ausbeute. Ob sich die Schweizer Filmakademie mit der Entscheidung, diesen bereits ausgewerteten Film zu prämieren, einen Gefallen tut, bleibt zumindest fraglich.

Die in Genf von Maria Victoria Haas moderierte Show wirkte über weite Strecken träge. Dass sich alle nominierten Dokumentarfilmer im Saal gegenseitig mit lobenden Statements beschenken durften, diesen Aufwand hätte man sich sparen können. Grosse Emotionen gabs dagegen, als die mit dem Ehrenpreis ausgezeichnete Grande Dame Beki Probst eine Standing Ovation bekam oder als Joel Basman in überschwänglicher Festlaune Küsse ins Publikum warf.

Trostpreis für «Zwingli»

Neben «Ceux qui travaillent» holte auch der animierte Dokumentarfilm «Chris the Swiss» von Anja Kofmel drei Preise. Und auch da zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Film über einen Schweizer Reporter, der sich im Jugoslawienkrieg einer Söldnergruppe anschloss und unter ungeklärten Umständen starb, kam im Kino nicht auf Touren (5000 Zuschauer). Der Publikumsfavorit «Female Pleasure» (55000 Zuschauer) ging dagegen leer aus.

Und wie erging es «Zwingli», dem anderen Spielfilmerfolg neben «Wolkenbruch»: Das Historiendrama von Stefan Haupt hatte im Vorfeld ja bloss zwei Nominationen für seine Hauptdarsteller Max Simonischek und Sarah Sophia Meyer) erhalten, brachte diese aber nicht ins Trockene. Immerhin entschied die Akademie, der Kostümbildnerin Monika Schmid und der Szenenbildnerin Su Erdt den Spezialpreis zu verleihen. So kam «Zwingli» wenigstens durch die Hintertür doch noch zu einer Auszeichnung.

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