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Die sympathische Menschmaschine

Jessica Chastain Die Hollywooddarstellerin spielt, was das Zeug hält. Ihre neuste Rolle beweist einmal mehr, dass Jessica Chastain eine der besten Schauspielerinnen der Gegenwart ist.

Unterkühlt: Jessica Chastain im Politdrama «Miss Sloane».
Unterkühlt: Jessica Chastain im Politdrama «Miss Sloane».
Miss Sloan

Unterkühlt und zum Äussersten entschlossen. Das war Jessica Chastain als Osama-Bin-Laden-Jägerin im Film «Zero Dark Thirty» (2013). Erbarmungslos erscheint die 40-jährige Kalifornierin nun auch in «Miss Sloane», wo sie als PR-Strategin zuerst für und dann gegen die mächtige US-Waffenlobby kämpft – was dem Film von John Madden jedoch nicht gut bekam: Nach massiven Negativkampagnen der realen Waffenlobby schnitt «Miss ­Sloane» am US-Box-Office miserabel ab.

Dieser provozierte Flop kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jessica Chastain eine der besten Schauspielerinnen der Gegenwart ist. Wobei ihr Durchbruch aussergewöhnlich lang auf sich warten liess. Die rothaarige Tochter einer Köchin und eines Feuerwehrmanns studierte an der renommierten Juilliard-Schauspielschule in New York, passte dann nicht ins Klischeebild der blonden Hollywoodbeauty und musste sich jahrelang unter Wert verkaufen – zum Beispiel als Leiche in Fernsehkrimis.

Später Durchbruch

Es war schliesslich Altstar Al Pacino, der Chastain als Bühnenpartnerin für «Salome» engagierte und sie Kultregisseur Terrence Malick empfahl, der sie neben Brad Pitt in «The Tree of Life» besetzte. Das war 2008. Eine filmische Ewigkeit später – 2011 – feierte «The Tree of Life» endlich Premiere und gewann die Goldene Palme in Cannes.

Chastain hatte fortan freie Bahn, und sie spielte, was das Zeug hielt. Unter anderem eine verwundbare Agentin in «The Debt» oder eine Verzweifelte angesichts ihres vermeintlich paranoiden Mannes in «Take Shelter». Als warmherziges Nervenbündel im Südstaatenrührstück «The Help» 2012 holte sie schliesslich ihre erste Oscarnomination.

Berufung als Schlüssel zum Erfolg

Am einprägsamsten ist Chastain jedoch, wenn sie eine Figur verkörpert, die kein eigenes Leben, sondern eine Berufung hat. Wenn sie eine Maschine in menschlicher Hülle spielt. Wie in «Zero Dark Thirty», wo sie als einsame Terrorjägerin brillierte und dafür ihre zweite Oscar­nomination erhielt. Oder nun in «Miss Sloane», wo sie eine aufputschmittelsüchtige Lobbyistin spielt, welche die verrohten Sitten im Politbetrieb nicht zuletzt an sich selbst aufzeigt.

«Ich habe keine Verpflichtung gegenüber deinen Gefühlen», schleudert Sloane einmal einer Mitarbeiterin ins Gesicht, bevor sie die Pressemeute auf diese loslässt. Das ist unheimlich. Und unheimlich gut, weil Chastain bei aller Unverfrorenheit stets eine Sympathie­trägerin bleibt. Sie ist der Mensch in der Maschine. Auch wenn im Film niemand darauf wetten würde.«Miss Sloane»: ab 6. Juli im Kino.

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