Zum Hauptinhalt springen

Ein bisschen Risiko

«Boyhood» ist der Verlierer der 87. Academy Awards – mit nur einem Oscar. Der Sieger heisst «Birdman», denn der Film zeigt, wie hart es ist, in Hollywood zu arbeiten.

Oscargewinner Alejandro G. Iñárritu mit seiner Darstellerin Emma Stone. Sie ging bei den Nebendarstellerinnen leer aus, freut sich aber offensichtlich trotzdem.
Oscargewinner Alejandro G. Iñárritu mit seiner Darstellerin Emma Stone. Sie ging bei den Nebendarstellerinnen leer aus, freut sich aber offensichtlich trotzdem.
Keystone
Das Original und sein Klötzchen-Imitat: Die beste Hauptdarstellerin Julianne Moore und Steve Carell präsentieren ihre Oscars.
Das Original und sein Klötzchen-Imitat: Die beste Hauptdarstellerin Julianne Moore und Steve Carell präsentieren ihre Oscars.
Reuters
Dakota Johnson (rechts) und ihre Mutter Melanie Griffith.
Dakota Johnson (rechts) und ihre Mutter Melanie Griffith.
Keystone
1 / 30

Es herrschte schon fast das guthelvetische Giesskannenprinzip an der 87. Oscargala in Los Angeles. «Birdman» gewann vier Oscars, die Komödie «The Grand Budapest Hotel» ebenso viele. «Whiplash» holte drei, und dann gabs noch einen für «Still Alice» (Julianne Moore als beste Hauptdarstellerin), «The Imitation Game» (bestes adaptiertes Drehbuch) und «Selma» (bester Song).

Birdman triumphiert bei den Oscars. (Video: Reuters)

Auch «Boyhood» wurde einmal bedacht respektive Patricia Arquette, die als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde. Richard Linklaters Längsschnittstudie über einen aufwachsenden Knaben war allerdings sechsmal nominiert, doch der Film verpasste den Oscar für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch, den besten Schnitt.

Epische Intimität

Es muss ihn wurmen. Schliesslich hat Richard Linklater zwölf Jahre lang immer wieder dieselben Schauspieler eingesetzt und so einen filmischen Bildungsroman von epischer Intimität geschaffen. In den wichtigen Kategorien war «Boyhood» der einzige Film, der mit der Sprache der Bilder etwas Ungewohntes anstellte.

Dagegen wirkte Wes Andersons bewegte Hotelkonditorei «The Grand Budapest Hotel» schon recht erkaltet in ihrer Ausstattungsperfektion. Und der scheinbar schnittlose Durchgang durch die Broadway-Korridore in Alejandro G. Iñárritus «Birdman» wie eine aggressive Demonstration des Virtuosentums.

Aber gerade diese beiden Filme haben die meisten Oscars gewonnen. Immerhin, könnte man sagen, sind es zwei Komödien. «The Grand Budapest Hotel» allerdings wurde vor allem für Kostüme und Ausstattung geehrt. «Birdman» hingegen gewann die zentralen Academy Awards: Regie, Film, Drehbuch und Kamera. Unglaublich komisch ist diese Komödie allerdings nicht. Aus den Ehrungen könnte man vielmehr schliessen: Hier adelte Hollywood einen Film, der zeigt, wie hart es ist, in Hollywood zu arbeiten.

Wagnis in Bildern

«Birdman» folgt einem gequälten Schauspieler (Michael Keaton), der seine Vergangenheit als Superheld in Comicverfilmungen ablegen will, um am New Yorker Broadway ein anständiges Theaterstück über ein ernsthaftes Thema zu inszenieren. Die böse Kritikerin aber erwartet von diesem Hollywooddeppen gar nichts beziehungsweise das Schlimmste. Ziemlich genau so muss einigen Mitgliedern der Academy das Leben vorkommen: Macht man mal etwas Seriöses, wird man gleich abgekanzelt.

Das nennt man eben: Risiko. Der Schauspieler in «Birdman» leidet an seinem Wagnis, so wie die Insider daran leiden, dass der Filmbetrieb nichts Neues mehr wagt zwischen all den serialisierten Superhero-Geschichten. Und so versucht man es ein wenig abseits des Systems mit unabhängigen Produktionen wie «Selma» oder dem Jazzfolterdrama «Whiplash» – die am Schluss sogar noch Oscars gewinnen. Ihre Plots kranken zwar an denselben Klischees wie, sagen wir, «Iron Man 2». Aber dafür hat man wieder das, was zählt: eine visuelle Handschrift, eine persönliche Erzählhaltung, ein Wagnis in Bildern.

Und «Parvaneh»? Der Schweizer Kurzfilm unterlag dem britischen Film «The Phone Call», in dem die zwei Schauspieler Jim Broadbent und Sally Hawkins mitspielen. Das waren halt auch: bekannte Namen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch