Ein Comic-Nerd mit Marketingmacht

Kevin Feige ist Hollywoodproduzent und hat das Marvel-Universum zum Milliardenerfolg gemacht.

Kevin Feige wurde an der Schauspielschule fünf Mal abgelehnt. Als Produzent hat er den Marvel Studios Milliardeneinnahmen beschert. Foto: Reuters

Kevin Feige wurde an der Schauspielschule fünf Mal abgelehnt. Als Produzent hat er den Marvel Studios Milliardeneinnahmen beschert. Foto: Reuters

Mit vielen Tricks und Sondereinsätzen hat Kevin Feige, der Präsident der Marvel Studios, es am Wochenende geschafft. Sein Superhelden-Film «Avengers: Endgame», der seit April weltweit in den Kinos läuft, zog mit den letzten Ticketverkäufen an dem Rekord von «Avatar» vorbei, der zehn Jahre als uneinholbar galt: Die Marke von 2,79 Milliarden Dollar globaler Boxoffice-Einnahmen ist geknackt –wenn man die Effekte der Inflation mal nicht berücksichtigt.

Sechs weitere Marvel-Filme stehen aktuell in den Top 20 der ewigen Kino-Bestenliste, und Mastermind hinter diesen Erfolgen ist ebenfalls der 46-jährige Feige. Damit wird er endgültig zur Galionsfigur einer Idee, die das Kinogeschäft in den letzten Jahren mehr und mehr dominiert. Für die Studios geht es darum, möglichst viele Storys und Figuren zu erwerben, die das Publikum bereits kennt. Anders lässt sich der Kampf um Aufmerksamkeit, die ein millionenteurer Filmhit braucht, kaum noch gewinnen. In Hollywood verwendet man dafür das Kürzel IP, für «Intellectual Property» oder geistiges Eigentum.

Das geistige Eigentum, über das Feige herrscht, sind die Helden aus den Comicheften des Marvel-Verlags. Protagonisten wie Spider-Man und die Avengers waren schon immer populär; Feige aber entwickelte die Besessenheit, all diese Figuren interagieren zu lassen und in ein weitverzweigtes, in sich kohärentes Kino-Universum zu integrieren. Seither kann man jeden Marvel-Neu­start als Fortsetzung der bisherigen Filme betrachten und als Vorschau der kommenden – was die Fans auch mit Leidenschaft tun.

Seine Position könnte von kurzer Dauer sein

Zum Film wollte Feige, der 1973 in Boston geboren wurde und in New Jersey aufwuchs, schon immer. Fünfmal bewarb er sich vergeblich an der berühmten Filmschule der University of Southern California, beim sechsten Mal wurde er genommen. Als junger Produzent wirkte er an einer Verfilmung der «X-Men» mit, dabei blieben seine Leidenschaft für Superhelden und sein enormes Wissen über die Marvel-Figuren nicht verborgen. So war er zur Stelle, als der Marvel-Verlag die Gründung eines eigenen Filmstudios beschlossen hatte, und stieg im Jahr 2000 als Produzent ein. Seitdem musste er seine eigene Fantasy-Comic-Blase nicht mehr verlassen.

Ohne die strategische Weitsicht des Disney-Chefs Bob Iger wäre Feige wohl dennoch auf dem Level eines erfolgreichen Comic-Nerds verblieben. Iger war es, der erkannte, dass man Intellectual Property am besten in milliardenschweren Paketen erwirbt. So kaufte er die bunten Computerhelden der Pixar-Studios, sämtliche «Star Wars»-Rechte von George Lucas und eben die Marvel Studios komplett. Erst die Marketing- und Verhandlungsmacht von Disney macht die daraus resultierenden Filme nun wirklich global unentrinnbar.

Feiges Position als neuer Spitzenreiter könnte deshalb auch von kurzer Dauer sein. In seinem letzten und grössten Coup hat Disney die Fox Studios erworben, denen auch «Avatar» gehört – und dessen Schöpfer James Cameron arbeitet bereits an vier neuen Filmen über den Wunderplaneten Pandora, die ab Dezember 2021 ins Kino kommen sollen. Wer immer dann in der Bestenliste ganz vorne liegt – der Disney-Konzern wird es auf jeden Fall sein.

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