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Goodbye, Mr. Soderbergh

Mit «Liberace» gibt Steven Soderbergh, das einstige Wunderkind des amerikanischen Independent-Kinos, seinen vorzeitigen Rücktritt bekannt. Ein Nachruf zu Lebzeiten.

Zum Teufel, so sagte der Mann am Rednerpult nach einer halben Stunde, das Filmbusiness sei doch immer noch der drittwichtigste Exportzweig der USA: «Von allen Dingen, die wir machen, ist es eines der wenigen, die der Welt wirklich gefallen.» Das war im April am Filmfestival in San Francisco. Steven Soderbergh war eingeladen, um über den Zustand des Kinos zu sprechen. Seine Rede geriet zu einer Tirade gegen Hollywood.

Zuvor hatte Soderbergh bei anderen Gelegenheiten mehrmals angetönt, dass er bis auf weiteres keine Filme mehr drehen werde, jedenfalls nicht für die grosse Leinwand. Er wolle sich künftig der Malerei widmen, vielleicht ab und zu etwas fürs Fernsehen drehen. Die Lust am Kino war ihm angeblich vergangen, nachdem er mit seinem Film über Liberace überall in Hollywood abgeblitzt war. Kein Studio wollte den bescheidenen Betrag von 5 Millionen Dollar in ein Biopic über einen schwulen Entertainer und seinen treuen Lover investieren, also drehte Soderbergh den Film fürs Fernsehen. In San Francisco sprach demnach ein Mann, der mit dem Kino abgeschlossen, also nichts mehr zu verlieren hatte.

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