Gute Amerikaner, böse Iraker

Ein Favorit für die Oscars, und ein Ärgernis im Irak. Der Kriegsfilm «American Sniper» sorgt zu seinem Kinostart für eine heftige Kontroverse.

Die Nominierten: Der Regisseur Clint Eastwood (links) hofft auf den Oskar für seinen Film «American Sniper». Auch der Schauspieler Bradley Cooper ist nominiert. Foto: mario Anzuoni / Reuters

Die Nominierten: Der Regisseur Clint Eastwood (links) hofft auf den Oskar für seinen Film «American Sniper». Auch der Schauspieler Bradley Cooper ist nominiert. Foto: mario Anzuoni / Reuters

Paul-Anton Krüger@pkr77

«American Sniper», der neue Irak-Kriegsfilm von Clint Eastwood, hat in den USA heftige Debatten ausgelöst. Seine angebliche Ambivalenz gegenüber dem Krieg und der Gewalt führt dazu, dass Konservative wie Liberale versuchen, die Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle, gespielt von Bradley Cooper, für ihre Sicht der Dinge in Anspruch zu nehmen: Die einen halten den Streifen für eine patriotische Ehrung der Tapferkeit amerikanischer Soldaten – andere sehen darin eine nihilistische Verherrlichung des Krieges. Die Dritten meinen, in diesem Werk den stärksten Antikriegsfilm seit «Apocalypse Now» zu erkennen. Sehen wollen das für sechs Oscars nominierte Werk in den USA viele – der kommerzielle Erfolg übertrifft alle Erwartungen. In der Schweiz läuft der Film ab 26. Februar.

Doch die andere Seite, die der Opfer, spart der Film aus: «Iraker kommen darin eigentlich nicht vor», sagt der franko­irakische Regisseur Abbas Fahdel, der selber mehrere Dokumentationen über den Krieg in seiner Heimat gedreht hat. «Sie tauchen nur als Silhouetten auf, und jeder, der stirbt, ist schuldig, auch Frauen und Kinder.» Ähnlich sieht das auch der «Economist», der schrieb, den Aufständischen im Irak werde jene Art von Charakterentwicklung zuteil wie Nazisoldaten in frühen Filmen über den Zweiten Weltkrieg. Auch in Bagdad sehen das die Menschen so: «Der Film glorifiziert Amerikaner und macht aus Irakern nichts als Terroristen», sagte der 27-jährige Lehrer Ahmed Kamal in Bagdad der «Washington Post». Er hatte sich den Film im Internet heruntergeladen. Das einzige Kino in Bagdad, das die Geschichte auf die Leinwand brachte, nahm ihn mit Bedauern wieder aus dem Programm, nachdem die Regierung Druck gemacht hatte. Ein Beamter des Kulturministeriums habe ihm erklärt, der Film sei «eine Beleidigung der Iraker», erzählt Fares Hilal, Besitzer des Kinos in der Mansour-Mall, einem der neuen und sehr amerikanischen Shopping-Paradise der Hauptstadt.

Als «Wilde» bezeichnete Kyle die Iraker, der aus seiner simplizistischen Weltsicht kein Geheimnis machte: Für ihn gebe es gut und böse, schwarz und weiss, und wenige Schattierungen dazwischen, schrieb er in seiner Autobiografie, die als Vorlage für den Film diente. Die Araber, die in der Optik seines Zielfernrohres auftauchten, sind fast immer der Kategorie böse zuzuordnen. 160 Tötungen sind von ihm bestätigt. Abbas Fahdel hält «American Sniper» darum für «sehr naiv» und «reaktionär». Die verheerenden Folgen des Krieges für den Irak interessierten Clint Eastwood und seinen Drehbuchautor Jason Hall nicht, kritisiert der in Paris lebende Filmemacher.

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