«Klimaschutz interessiert mich null. Basta»

Luxuslady Irina Beller trägt zur Eröffnung des Zurich Film Festival Pelz, andere Promis dagegen frieren fürs Klima.

Was tun Promis für die Umwelt? Die erstaunlichen Antworten im Video.
Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa
Lea Blum@lealafleur

18 Uhr, der Plastik ist vom grünen Teppich abgezogen, der Staubsauger entfernt die letzten Krümel. Startschuss am grünen Teppich des 15. Zurich Film Festival. Eigentlich. Doch da ist niemand. Hinter uns ertönt das Geräusch zweier Proseccodosen, die geöffnet werden. Nicht unsere Dosen.

18:15, der erste Star des Abends betritt das Scheinwerferlicht, in einer langen, steinchenbesetzten roten Robe, die Handtasche gekrönt von einem weissen Kristall. Es ist Nadja Schildknecht, die dieses Jahr, zusammen mit Karl Spoerri, die operative Leitung des Festivals abgibt. Wehmütig? «Nein», sagt sie, es sei gerade zu viel los, um an den Abschied zu denken, die Vorfreude auf die kommenden Tage überwiege. Dann passiert wieder lange nichts.

18:45, jetzt gehts wirklich los. Die Crew des Eröffnungsfilms – «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes» – positioniert sich für die Fotografen, mittendrin Bundesrat Ueli Maurer, der leider an diesem Abend keine Interviews gibt. Sven Schelker, der Bruno Manser verkörpert, antwortet auf Fragen, wenn auch etwas vage. Speziell sei die Drehumgebung im indonesischen Regenwald gewesen, komplett der Natur ausgesetzt.

«Es ist deprimierend, zu sehen, was nicht mehr ist.»Niklaus Hilber, Regisseur des Films «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes»

Konkreter wird Regisseur Niklaus Hilber, der zusammen mit Schelker und der Crew während Monaten im Dschungel wohnte, geplagt von Blutegeln und Moskitos, ohne Internet und Handyempfang. Die Zerstörung des Regenwaldes habe ihn beelendet, das Ausmass der Palmölplantagen sei erschreckend. «Es ist deprimierend, zu sehen, was nicht mehr ist.» Trotzdem: Zum Filmemachen würden Emissionen gehören, auch Bruno Manser sei nicht nach Borneo geschwommen. Die Klimadebatte auch in der Filmindustrie zu führen, befürwortet Hilber aber.

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19:00, Tumult bahnt sich an am Teppich. Die Bellers kommen. Walter Beller wettert unaufgefordert über #MeToo. «Wenn ich 30 Jahre brauche, um zu merken, dass ich vergewaltigt wurde, dann hat das einen Nachgeschmack.» Seine Frau, mit Pelzhandtasche, ist erzürnt ob Klimafragen, der Teppich gefiele ihr besser, wenn er rot wäre.«Klimaschutz interessiert mich null. Basta.» Echter Pelz sei gut fürs Klima, künstlicher verschmutze die Umwelt. Energisch tritt sie mit der Ferse ihr transparentes Kleid zur Seite und setzt ihren Gang über das frische Grün fort.

19:15, Hoffnung macht Corine Mauch. Sie glaubt, dass Filme wie jener über Bruno Manser die Leute weiterbringen könnten. «Verhaltensänderungen funktionieren nicht nur über den Kopf, Emotionen spielen eine wichtige Rolle.»

«Ich schaue zu wenig beim Plastik, da habe ich Nachholbedarf.»Stefan Gubser, Schauspieler

19:25, Taminique erscheinen in samtenen Gewändern, Tamy Glauser trägt zudem auf dem Kopf einen auffälligen dreieckigen Strohhut. Sie und Dominique Rinderknecht könnten sich vorstellen, für einige Zeit im Wald zu leben, eins mit der Natur zu sein. Aktuell versuchen sie, weniger Plastik zu verbrauchen. «Ich schaue zu wenig beim Plastik, da habe ich Nachholbedarf», sagt Schauspieler Stefan Gubser, der dafür bereits einmal im Urwald gewohnt hat, in Brasilien. In der Schweiz setzt er auf ein Hybridauto. Die letzten 600 Kilometer habe er mit 2,9 Liter Benzin bewältigt. Sein Haus heize er nie über 20 Grad, lieber einen Pulli anziehen.

19:45, Allroundtalent Anina Frey kämpft mit ihrem kanariengelben Designerkleid mit gefährlich tiefem Ausschnitt, das immer wieder ihre Beine gefangen hält. Sie nimmts mit Humor. Der Babybauch ist deutlich zu sehen. Es gehe ihr gut. Influencerin Zoe Pastelle hat ihr rotes Kleid im Griff, sie ernährt sich seit zwölf Jahren vegan. «Ich bin immer mehr aware über meinen Lifestyle», Messages kämen immer am besten rüber durch Kunst. Sie freue sich «so fest» auf den Film.

20:00, der Teppich ist wieder leer, fast. Einige Nachwuchspromis schiessen Selfies und posieren für die letzten noch anwesenden Fotografen. Eine junge Frau schwenkt ihr schwarzes Kleid in Endlosschlaufe. Alle anderen, von denen viele das Fliegen nicht lassen wollen (Ferien) oder können (beruflich), sind im Kino, im Regenwald bei Bruno Manser und den Penan.

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