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Kurzfilm der Woche: Adieu, Afrika!

Afrika, das zeigt der heutige Kurzfilm, ist der perfekte Ort für eine Kindheit – bis ein Bürgerkrieg ausbricht.

«Das Grauen! Das Grauen!», lauten die letzten Worte von Colonel Kurtz, nachdem er im Kongo in menschliche Abgründe geblickt hat und wahnsinnig geworden ist. Die berühmte Passage aus Joseph Konrads Roman «Das Herz der Finsternis» hat vordergründig nichts mit dem Kurzfilm von Robert-Jan Lacombe zu tun. Handelt es sich bei «Kwa Heri Mandima» (Adieu, Mandima) doch um einen persönlichen Dokumentarfilm über seine Kindheit, die er in einem kleinen Dorf im Nordosten von Zaire (dem heutigen Kongo) verbracht hat.

Der Filmemacher, der seit 2006 in der Schweiz lebt, wurde als Sohn einer Holländerin und eines Franzosen im Kongo geboren und hat seine ersten zehn Lebensjahre dort verbracht. Anhand von Fotos, die in dieser Zeit geschossen wurden, erinnert er sich an diese Zeit und erzählt von seinen Freunden und seiner Familie.

Lacombe verwendet ausschliesslich Fotografien und führt unseren Blick durch diese Standbilder. Der Film, der national und international mehrere Preise gewann, steht so in der Tradition der Fotofilme (wie «La jetée» von Chris Marker) und erhält eine zusätzliche poetische Intensität. Dazu trägt auch Lacombes Off-Kommentar bei, der an den weissen Jungen auf den Fotos, also an sich selbst, gerichtet ist und auch eine Reflexion über unser Verhältnis zu Afrika darstellt.

«Kwa Heri Mandima» ist ein berührender Film, die Wahl des Schlusses raffiniert: Eine Homevideoaufnahme vom Abflug der Familie Lacombe mit einer Cessna aus dem Busch. Wenige Tage später wurde Regierungschef Mobutu gestürzt, das Grauen kehrte in den Kongo zurück: Auf den Machtwechsel folgte ein blutiger Bürgerkrieg, in den auch die Spielkameraden des kleinen Robert-Jan verwickelt wurden – während dieser in Europa lernte, auf dem Nintendo zu spielen.

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