Leonardo DiCaprio ist nicht das hellste Kerzlein auf dem Kuchen

Hollywoodstars und andere Promis wollen das Klima retten und jetten dafür mit dem Privatflieger um die Erde. Der Schuss geht nach hinten los.

Andreas Kunz@sonntagszeitung

Diese Woche lud Google die Weltprominenz nach Palermo, wo George Clooney, Leonardo DiCaprio, Prinz Harry, Katy Perry, aber auch Barack Obama und Dutzende andere Politiker, CEOs und Megapromis sich über den Klimawandel austauschten. Die Medien berichteten weltweit. Vor allem berichteten sie über die 114 Privatjets und die vielen Megajachten, mit denen die Promis nach Sizilien gereist waren. Das Wort Heuchelei tauchte in den Schlagzeilen in allen erdenklichen Sprachen auf.

Die Empörung ist hochverdient – aber auch ein wenig simpel. Interessanter ist, wie ein solch gigantischer PR-GAU ausgerechnet jenen passiert, die sich ansonsten öffentlichkeitswirksam zu verkaufen wissen wie niemand sonst.

«Die Botschaft: Wir Wichtigen tun so viel Gutes für die Erde, dass wir uns persönlich alles erlauben dürfen.»

Bei den Hollywoodstars ist es wohl tatsächlich schiere Ignoranz. Wer schon als Kind eher zu Castings geht statt zur Schule, wer seit seiner Jugend in einer abgenabelten Welt lebt aus Zuträgern und Profiteuren und wessen lebenslanges Verkaufsargument das eigene Aussehen ist, dem fehlt es wohl schlicht an der Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinaus Zusammenhänge zu erkennen.

Aber was ist mit den anderen? Barack Obama ein Heuchler? Wie Teilnehmer durchblicken lassen, sollen die vielen Promis vor allem für Aufmerksamkeit sorgen. Wenn das Problem dadurch der ganzen Welt bewusst werde, habe dies einen derart positiven Einfluss auf das Klima, dass die dafür freigesetzten paar Hundert Tonnen CO2 zu verschmerzen seien.

Das also ist die Botschaft: Wir Wichtigen tun so viel Gutes für die Erde, dass wir uns persönlich alles erlauben dürfen. Der Zweck heiligt die Mittel. Verhalten wird es sich wohl genau umgekehrt. Angesichts dieser Zurschaustellung von Protz und Luxus wird sich das Publikum sagen: Na, wenn die das dürfen, wird auch meine Wenigkeit weiterhin mit dem Flugzeug in die Ferien reisen dürfen.



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