Polanski bleibt dem Filmfestival in Venedig fern

Der 85-Jährige wollte sein jüngstes Werk «J’accuse» vorstellen. Wegen eines Auslieferungsabkommens zwischen Italien und den USA nimmt er aber nicht teil.

Noch immer wegen eines Sexualdelikts zur Verhaftung ausgeschrieben: Roman Polanski im Oktober 2017 in Zürich.

Noch immer wegen eines Sexualdelikts zur Verhaftung ausgeschrieben: Roman Polanski im Oktober 2017 in Zürich.

Trotz der Einladung von Festivaldirektor Alberto Barbera wird laut dem US-Magazin «Hollywood Reporter» der französisch-polnische Filmregisseur Roman Polanski in Venedig nicht über den roten Teppich laufen. Dass der 85-Jährige überhaupt eingeladen worden war, sorgte branchenweit für einiges Kopfschütteln.

Polanski ist seit 1977 in den USA wegen eines Sexualdelikts zur Verhaftung ausgeschrieben. Die US-Justiz wirft ihm vor, eine Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Er war vor dem Prozess ins Ausland geflohen.

Polanskis Nichterscheinen wird mit dem 1983 unterzeichneten Auslieferungsabkommen zwischen den USA und Italien begründet. Polanski wäre wohl festgenommen und wahrscheinlich an die USA ausgeliefert worden, wenn er italienischen Boden betreten hätte, sagte Joshua Dratel, ein Anwalt aus New York.

Die Festival-Organisatoren haben sich laut Bericht bereits auf die «physische Abwesenheit» des Regisseurs vorbereitet und erwarten, dass Polanski über Skype an den Feierlichkeiten teilnimmt.

Hausarrest in Gstaad

2009 wurde Polanski in der Schweiz verhaftet. Er hätte eigentlich am Zurich Film Festival eine Auszeichnung für sein Lebenswerk entgegennehmen sollen, doch stattdessen klickten die Handschellen. Polanski sass zwei Monate in der Schweiz in Haft, anschliessend stand er acht Monate lang in seinem Chalet im Berner Oberländer Nobelkurort Gstaad unter Hausarrest und musste eine elektronische Fussfessel tragen. Einem Auslieferungsgesuch an die USA entsprach die Schweizer Justiz nicht.

Das Gstaader Chalet, in dem Polanski seinen Hausarrest absass, zog immer wieder viele Medienschaffende an. Sie belagerten manchmal tagelang das Anwesen, um den Filmemacher zu Gesicht zu bekommen.

Die Fussfessel kam den Regisseur nach eigenen Angaben übrigens teuer zu stehen: «Ich erhielt eine Rechnung über 28'000 Schweizer Franken für diese dämliche Fessel», sagte Polanski einmal in einem Interview mit der «Welt am Sonntag».

2017 kam Polanski erneut ans Zürcher Filmfestival, um seinen Mystery-Thriller «D’Après und histoire vraie» zu promoten. Doch kaum war er abgereist, kamen neue Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn auf. Die frühere deutsche Schauspielerin Renate Langer warf ihm vor, sie 1972 im Alter von 15 Jahren in der Schweiz vergewaltigt zu haben.

Filmfestival Venedig: 28. August bis 7. September.

red

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