Sie wollen nur stehlen

Funktioniert «Ocean’s 8» mit Diebinnen anstelle von George Clooney? Kritik in 8 Punkten.

Offizieller Trailer zum Film «Ocean's 8». Video: Youtube/Warner Bros. Pictures

Matthias Lerf@MatthiasLerf

Danny Ocean, der von George Clooney gespielte Dieb aus «Ocean’s 11 bis 13», ist tot. Gut, ob das wirklich stimmt, weiss man bei diesem Gauner nicht so genau, vielleicht ist der Hinschied auch Teil eines genialen Coups, aber es gibt auf alle Fälle ein Grab. Davor sitzt seine Schwester Debbie Ocean, gespielt von Sandra Bullock. Sie plant – wer hätte das gedacht? – elf Jahre nach dem letzten Film ebenfalls einen Überfall. Los gehts.

1. Cate Blanchett

George Clooney blieb ja in den von Steven Soderbergh inszenierten Filmen von 2001 bis 2007 nie ­allein. Sein Adjutant auf den Diebeszügen war Brad Pitt. Dieser hatte allerdings meist nicht allzu viel zu tun, weshalb er sich in «Ocean’s 11» einen effizienten Tick zulegte und ständig etwas in den Mund stopfte: Hamburger, Glace, Oliven, was gerade verfügbar war. So blieb er nicht unbemerkt. Im neuen Film spielt Cate Blanchett diese Rolle. Sie hat aber viel zu viel Klasse, um mit billigen Fressticks aufzufallen. Ihr bleibt deshalb nur . . . nur . . . ja was denn? Die grossartige Schauspielerin wirkt im weiblichen Ganovenstück höchst unterbeschäftigt. Schade.

2. Die Bande

«Ocean’s 11» war ursprünglich ein Gaunerstück, in dem 1960 die Bande um Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. – das sogenannte Rat Pack – unterwegs war. Eines der Vergnügen des Remakes von Steven Soderbergh war die Rekrutierung der neuen Gang. Das funktioniert jetzt bei den Frauen ebenfalls bestens: Eine Computerhackerin (Sängerin Rihanna) auswählen, eine Taschendiebin (Rapperin Awkwafina) auf der Strasse auflesen, eine alte Bekannte (Sarah Paulson) von der Hausfrauenarbeit erlösen, eine vergessene britische Modeschöpferin (Helena Bonham Carter) reaktivieren. Witzig.

3. Kein einziger Mann

Alles Frauen? Selbstverständlich, Männer würden sich automatisch in den Vordergrund drängen, Frauen dagegen ignoriere man leicht, das sei besser für den geplanten Diebeszug, findet Sandra Bullock. In Ordnung so.

4. Dogma

Als es vor zwei Jahren ein «Ghostbusters»-Remake gab, mit lauter Geisterjägerinnen in den Männerrollen, hatten die Frauen von Anfang an keine Chance. Nichts, aber auch gar nichts konnten diese den (männlichen) Fans des ursprünglichen Films recht machen. Sandra Bullock und ihre Komplizinnen dürfen da ­lockerer antreten. Das Erbe der alten Filme wiegt in diesem Fall nicht so schwer, «Ocean’s 11» war zwar gut, aber die Fortsetzungen – seien wir ehrlich – lieferten schon ­damals nicht viel mehr als eleganten Abklatsch. Eine Chance für die Diebinnen!

5. Gary Ross

Steven Soderbergh, der immer noch sehr inspiriert arbeiten kann, wenn er mag, wirkt in diesem Film allerdings nur noch als Produzent mit. Regie führt ein Routinier, der zum Beispiel den ersten Teil der «Hunger Games» auf die Leinwand brachte (und dann abgelöst wurde) oder gepflegte Dramen wie «Seabiscuit» drehte. Und tatsächlich: Gary Ross inszeniert das alles, als handle es sich um ein Schulungsvideo für angehende Diebinnen, fadengerade, sehr erklärend und ohne jede Überraschung. Schade.

6. Bellagio-Fontänen

Das Schöne an Soderberghs erstem «Ocean’s»-Film war, dass es darin völlig unerwartete Momente gab wie jenen, in dem die Diebe minutenlang vor dem Las-Vegas-Hotel herumstanden, dem berühmten Springbrunnen zusahen und Debussys «Claire de lune» lauschten. Das hatte eigentlich nichts zu suchen in einer Diebeskomödie, machte sie aber unverwechselbar. Auch «Ocean’s 8» bietet mit der jährlichen Gala im New Yorker Metropolitan Museum eine optisch attraktive Plattform zum Verweilen. Sie wird aber kaum genutzt. Das Schrägste im neuen Film ist, dass eine der Diebinnen einer anderen die Datingplattform Tinder erklärt. Ungenügend.

7. Roger Federer

Das Schweizer Tennis-Ass kommt auch vor, aber nur im Ton. Zu sehen sind dafür die Spielerinnen ­Serena Williams und Maria Scharapowa. Da muss irgendwo ein Tennisfan am Werk gewesen sein. Das hat aber mit den Diebinnen nichts zu tun.

8. Anne Hathaway

Fazit: «Ocean’s 8» bleibt harmlos. Zwei positive Überraschungen gibt es trotzdem. Ab und zu flucht Oberdiebin Sandra Bullock fuchsteufelswild deutsch im englischsprachigen Film (sie hat die Kindheit in Deutschland verbracht). Und Anne Hathaway spielt zuerst die verwöhnte Hollywood-Diva, was bereits ein Genuss ist. Aber dann zeigt ausgerechnet sie, der doch der Ruf als biederer Streberin anhaftet, noch ganz andere Facetten. Darum ist klar: Sollte «Ocean’s 9» jemals kommen, müsste dieser Film um sie gebaut werden.

«Ocean’s 8»: ab Do im Kino

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