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Tränen – nein danke!

Manchmal weinen auch Punk-Schlagzeuger. Und zwar zum Beispiel bei «Titanic». Auch wenn ihnen das sehr peinlich ist.

Die Heulerei erwischt einen immer wieder auf dem falschen Fuss: Zum Beispiel in einem Kinosaal im Jahr 1997, während auf der Leinwand die Titanic untergeht.
Die Heulerei erwischt einen immer wieder auf dem falschen Fuss: Zum Beispiel in einem Kinosaal im Jahr 1997, während auf der Leinwand die Titanic untergeht.
AP

Tränen kommen ja meistens im falschen Moment. Sie entlarven unerbittlich. Mir passierte so ein Tränen-Malheur 1997, als die Welt noch rund war und der Film «Titanic» gerade im Kino. Als der Kahn dann endlich unterging und Céline Dion «My Heart Will Go On» intonierte, da konnte ich nicht mehr.

Es war mir danach unheimlich peinlich, mit geröteter Augenpartie aus dem Kino ans Tageslicht zu treten. Ich war immerhin Schlagzeuger einer Punkband! Irgendwie wird man über die Jahre älter und geht gelassener mit seinem Tränenhaushalt um, und dennoch erwischt einen die Heulerei wieder auf dem falschen Fuss. Zuletzt passierte mir das bei der Taufe meines Sohnes. Ich bin zwar, als ehemaliger Punk-Schlagzeuger, etwa so gläubig wie Kate Winslet brünett. Dennoch willigte ich ein. Eine Taufe ist ja eine feierliche Angelegenheit, kann man machen.

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So fanden wir uns in der Kirche wieder. Und als Pfarrer A unseren Sohn B allerkundigst in den Arm nahm, die Finger benetzte, um damit ein Kreuz auf des Sohnes Stirn zu zeichnen – und B wider Erwarten nicht zu weinen begann, sondern diesen Moment der totalen Stille sogar zu geniessen schien…, ja, da war es ein wenig wie damals bei «Titanic», mich rührte die Szene derart, dass ich ein Tränchen verdrückte und diverse weitere Tränen unterdrückte, weil das wäre dann schon ein wenig zu viel des Guten gewesen, und die Gelassenheit konnte mich mal, verdammte Feierlichkeit, Amen.

Aare, Wasser, Tränen: In dieser Rubrik schreiben wir, wie Kultur und Kleinigkeiten uns nachhaltig zu bewegen vermögen.

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