Von mörderischen Apps und Beinprothesen

Als Hommage an die frühen James-Bond-Klassiker gedacht, pendelt die Comicverfilmung «Kingsman» von Matthew Vaughn zwischen Parodie und Gewaltexzess.

Nostalgisch: Superspion Harry Hart (Colin Firth) führt Eggsy (Taron Egerton) in die Kingsman-Truppe ein.

Nostalgisch: Superspion Harry Hart (Colin Firth) führt Eggsy (Taron Egerton) in die Kingsman-Truppe ein.

(Bild: zvg)

«Mögen Sie Agentenfilme?» Oberschurke Valentine (Samuel L. Jackson) hat gerade seinen ärgsten Widersacher, den dandyhaften Spezialagenten Harry Hart (Colin Firth), enttarnt, als er ihm diese Frage stellt.

Hart dreht sich nur kurz zu Valentines tödlich gelenkiger Gehilfin Gazelle (Sofia Boutella) um, die mit grimmigem Blick hinter ihm im Stuhl sitzt und ihre rasiermesserscharfen Beinprothesen bedrohlich auf und ab baumeln lässt. Dann entgegnet er betont lässig, die neuen seien für seinen Geschmack eine Spur zu ernst. Aber die alten Agentenfilme mit ihren weit hergeholten Handlungen, die fände er wunderbar.

Weit hergeholte Story

Noch deutlicher hätte sich «Kingsman: The Secret Service» nicht als Hommage auf die frühen James-Bond-Streifen zu erkennen geben können. Denn weiter hergeholt als der Plot von Matthew Vaughns («Kick Ass») Comicverfilmung kann eine Handlung kaum sein. Angeblich, um die Welt vor der Klimakatastrophe zu bewahren, will der sinistre Milliardär Valentine einen Grossteil der Menschheit vernichten. Als Massenvernichtungswaffe dient ihm eine Smartphone-App. Wird die App aktiviert, verwandelt sie mittels bösartiger elektromagnetischer Impulse harmlose Menschen in blutrünstige Bestien.

Aufgehalten werden kann Valentine nur von Kingsman, einer global operierenden Geheimorganisation. Michal Caine gibt deren soignierten Strippenzieher. Eine Rolle, die er so schon Dutzende Male verkörperte und die ihm ebenso wenig abverlangt wie Samuel L. Jackson der Part des Megafieslings oder Colin Firth die Figur des snobistischen Superspions. Als Harry Hart führt er Eggsy (Taron Egerton), den Sohn eines Ex-Agenten, für dessen Tod er sich verantwortlich fühlt, in die Kingsman-Truppe ein.

Durch die Augen dieses jungen Draufgängers mit Strassencharme lernt das Kinopublikum den Geheimdienst kennen. Eggsy muss fast übermenschliche Bewährungsproben bestehen, ehe er ausgestattet mit Gimmicks, wie sie «Q» nicht genialer hätte austüfteln können, endlich die Welt retten darf. Regisseur Vaughn und Co-Autorin Jane Goldman haben in ihr Drehbuch alles reingepackt, was sie an Klischees und Anspielungen auftreiben konnten.

Unterhaltsam, aber bieder

Auch die ausufernd zelebrierten Gewaltexzesse kommen mit einem Augenzwinkern daher, wenn Hart etwa mitten im Kampfgetümmel am Whiskeyglas nippt. So ganz nimmt man diese parodistische Patina dem Streifen aber nicht ab. Dafür wirken die satirischen Seitenhiebe zu fadenscheinig.

Letztlich ist «Kingsman: The Secret Service» kaum mehr als ein unterhaltsam inszenierter, aber im Kern ziemlich biederer und unnötig brutaler James-Bond-Aufguss. Mit einem erschreckend uncharismatischen Nachwuchsagenten in der Hauptrolle.

Berner Zeitung

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