Wie viel Film darfs denn sein?

Tag 3: Die Solothurner Filmtage luden zur Diskussion über die Ausrichtung des Festivals. Man fand sich in der Einigkeit punkto Uneinigkeit.

Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage, will die Diskussion zwischen den Generationen fördern.

Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage, will die Diskussion zwischen den Generationen fördern.

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Am Anfang stand eine Absage. Der Film «Passion» von Christian Labhart wurde von der Programmkommission der Solothurner Filmtage abgelehnt. Das sorgte nicht nur beim Zürcher Regisseur für Enttäuschung und Unmut. Dreissig Schweizer Filmschaffende forderten in einer Petition, dass dieser Entscheid nochmals überprüft werde. Ohne Erfolg. Seraina Rohrer, die Direktorin der Filmtage, argumentierte, man sei zur Selektion gezwungen. Es sei heute schlicht nicht mehr möglich, alle eingereichten Werke zu zeigen. Die Auswahlquote liege bei 50 bis 60 Prozent.

Am Samstag lud Rohrer zur Diskussion über die Ausrichtung der Filmtage, und manche erwarteten eine heisse Debatte. Tatsächlich fand diese dann aber bloss indirekt statt, etwa wenn die Direktorin sagte: «Von Abgelehnten erhielt ich zum Teil massive Reaktionen, das ging mir oft zu weit.» Labhart, der in Solothurn verkündete, dass sein Film bald bei einem internationalen Festival im Wettbewerb laufe, vermutet hinter der Ablehnung seines Werks einen politischen Entscheid. Sein Werk sei wohl zu radikal gewesen für das in seinen Augen zu mainstreamige Solothurn.

Austausch. Welcher Austausch?

Das Interesse der Diskussion wandte sich darauf Grundsätzlichem zu. Braucht es mehr Filme in Solothurn? Mehr Wettbewerb? Mehr Fixplatzgarantien für Etablierte? So viel Tiefenbohrung in eigener Sache gabs zuletzt kaum. Man erfuhr, dass sich Filmschaffende wie Samir, der die Petition zu Labharts Film verfasste, mehr Debatten wünschen und Solothurn als Ort des Austausch zurückhaben möchten. Samir bekam dann allerdings zu hören, dass dies erstens nur zulasten von weiteren Filmvorführungen möglich sei, was das Publikum zweitens nicht goutiere. Heinz Urben, ein Urgestein der Filmtage und Mitglied der Programmkommission, erklärte, dass sich in den Achtzigerjahren jeweils um die 500 Leute in der Säulenhalle eingefunden hätten, um über Filme zu streiten. Am Schluss seien es noch etwa 20 gewesen.

So wogten die Voten im Saal hin und her. Mal ging es um Auswahlkriterien, mal um «Zurückweisung, die zum Filmemachen gehört» (Regisseurin und ZHdK-Studienleiterin Sabine Boss), mal um Werbesendungen in eigener Sache, mal um Festivalvergleiche sowie die entsprechende Forderung, dass Solothurn einen «unique selling point» brauche. Seraina Rohrer bekräftigte, die Vielfalt des schweizerischen Filmschaffens abbilden zu wollen und die Diskussion zwischen den Generationen zu fördern. Doch irgendwann fiel Sabine Boss auf, dass sich kaum Junge in der Diskussionsrunde befanden. Warum wohl?

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