Saanen

Barocke Liebesperlen

SaanenIn der Kirche Saanen betörte sie mit barocken Liebesarien: Sopranistin Julia Lezhneva meisterte schwierigste Koloraturen mit behänder Leichtigkeit.

Julia Lezhneva: Love Arias vom Schönsten (Archivbild)

Julia Lezhneva: Love Arias vom Schönsten (Archivbild)

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Vor zwei Jahren war sie für die verhinderte Diana Damrau ein­gesprungen – ein Volltreffer. Für Christoph Müller, Intendant des Gstaad Menuhin Festivals, reagierte umgehend: «Julia Lezh­neva laden wir bald bewusst für einen Liederabend ein.» Am Samstagabend nun trumpfte die Russin mit barocken Liebesliedern auf. Dazu gehörten Arien aus Opern von Nicola Porpora («Siface»), Carl Heinrich Graun («Coriolano»), Georg Friedrich Händel («Alessandro» und Oratorium «Samson») sowie Antonio Vivaldi («Ercole su’l Termodonte»). Ein Leckerbissen nach dem anderen, bei Lezhneva – eine der führenden Koloratursopranistinnen unserer Zeit – bestens aufgehoben.

Nicht nur furiose Koloraturen

In der Kirche Saanen beglückte sie ihre (wachsende) Fangemeinde mit ihrer stupenden Verzierungstechnik, ihrer Empathie und ihrem schlichten Auftreten. Dieses hat nichts von einer Diva in der Art ihrer Landsfrau Anna Netrebko an sich. Schon eher spürte man die Nähe zur im Saanenland sehr beliebten Cecilia Bartoli: Herzlichkeit, Natürlichkeit und Nahbarkeit ausstrahlend, versiert in der ebenso kühnen wie schillernden Trillerakrobatik: hier ausschmückend, da noch schönfärberisch improvisierend. Eben so, wie wenn diese stimmliche Virtuosität die leichteste Sache der Welt wäre.

Bei ­allen Tempovariationen findet Lezhneva aber auch bewegende lyrische Ansätze. Etwa in Vivaldis «Zeffiretti, che sussurrate», der vielschichtigsten Arie des Abends – weil lieblich-entrückt und nicht nur auf furios-triumphierenden Liebesjubel ausgerichtet –, beglückte die 28-Jährige mit edler Dezenz und stimmlich zart umrankten Verästelungen, die nicht nur auf gloriosen Effekt abzielten.

Unterstützt wurde sie vom geschmeidig-lustvoll musizierenden Kammerorchester Basel, das in den drei Concerto-grosso-Variationen von Giuseppe Torelli und der Suite D-Dur HWV 341 von Händel barocken Glanz verströmte – auch mit Trompete. Der Abend endete mit Standing Ovations und zwei Zugaben. (Berner Oberländer)

Erstellt: 05.08.2018, 10:50 Uhr

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