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Also sprach Noseda

Der künftige Generalmusikdirektor des Zürcher Opernhauses, Gianandrea Noseda, gab sein Tonhalle-Debüt. Er katapultierte das Publikum in ein faszinierendes Klanguniversum.

Gianandrea Noseda begleitet den Klang mit beeindruckender Geduld in die Stille. Foto: Steve J. Sherman
Gianandrea Noseda begleitet den Klang mit beeindruckender Geduld in die Stille. Foto: Steve J. Sherman

Hätte Stanley Kubrick für seinen Kultfilm «2001 – A Space Odyssey» jene Version von Strauss’ «Also sprach Zarathustra» verwendet, die nun in der Tonhalle Maag zu hören war: Der Astronautentrip wäre ganz anders verlaufen. Sicherer, direkter, auf sehr viel klarere Weise aufregend. Denn der Dirigent Gianandrea Noseda zeigte schon in den berühmten ersten Takten, dass er keine Diffusitäten mag. Zusammen mit einem geradezu beflügelten Tonhalle-Orchester katapultierte er das Publikum in ein faszinierendes Klanguniversum.

Man hörte es mit besonderem Interesse; schliesslich gab Noseda sein Tonhalle-Debüt als künftiger Generalmusikdirektor des Zürcher Opernhauses. Im Herbst 2021 wird der 55-jährige Mailänder die Nachfolge von Fabio Luisi antreten, als weltweit gefragter, überaus umtriebiger Dirigent.

Aber, so hat dieses Konzert gezeigt, auch als einer, der sich auf einen Klangkörper einzulassen weiss. Dass er sich am Ende ausführlich bei den Tonhalle-Musikern bedankte, bevor er sich verbeugte, war gewiss kein Zufall. Denn dass er ihre Spezialitäten schon bei dieser ersten Zusammenarbeit erkannt hat und zu nutzen wusste – das war ohrenfällig.

Noseda braucht keine Bühne, um Geschichten zu erzählen.

Zwar zerschellte Strauss’ Tondichtung in den lautesten Passagen an der Decke des Saals, die Fortissimi wirkten deshalb zuweilen matt. Aber das brachte erst recht zum Vorschein, wie viel in den leiseren Bereichen passierte.

Schon vor der Pause, in Dvoráks «Waldtaube», hatte Noseda gezeigt, dass er keine Bühne braucht, um Geschichten zu erzählen. Der Trauermarsch und das Gurren der Taube, die Tanzmusik und die sinistren Nebengeräusche fügten sich wie von selbst zu einem plastischen Ganzen. Satt und warm und lebendig war der Klang, den Noseda mit beeindruckender Geduld in die Stille begleitete.

In Ravels G-Dur-Klavierkonzert schliesslich hatte er mit Bertrand Chamayou genau den richtigen Solisten an der Seite. Der 38-jährige Franzose spielt verblüffend rund; da gibt es nichts, was hakt oder aus einer Linie fällt. Dennoch klingt die Musik kein bisschen stromlinienförmig, sondern gespannt, pointiert, in den jazzigen Passagen grandios frei. Da kann es vorkommen, dass der Pianist in einem Moment Klangnebel produziert und im nächsten mit einem rhythmischen Kick gegen sich selber antritt: hoch musikalisch, ohne virtuose Eitelkeit. Und im Wissen darum, dass Noseda auch diesen Trip souverän mitmacht.

Wiederholung heute Donnerstag, 19.30 Uhr, Tonhalle Maag. Am Sonntag, 19. Januar 2020, dirigiert Noseda ein Konzert im Zürcher Opernhaus, mit Werken von Mendelssohn, Schubert und Tschaikowsky.

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