Am Mount Everest der Cellisten

Unter der Leitung von Jun Märkl spielt der deutsche Cellist Julian Steckel das Cellokonzert von Antonín Dvorák diese Woche gemeinsam mit dem Berner Symphonieorchester.

Julian Steckel ist eben erst Vater geworden.

Julian Steckel ist eben erst Vater geworden. Bild: PD

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Für seine viertelstündige Verspätung zum Gespräch entschuldigt sich Julian Steckel aufrichtig. Er wisse sehr wohl, wie exakt ein Schweizer Uhrwerk funktioniere, meint er scherzhaft. Im gleichen Atemzug erzählt der 36-jährige deutsche Musiker, dass er vor wenigen Tagen Vater einer Tochter geworden sei und seine Welt gerade ziemlich auf dem Kopf stehe.

Senkrechtstart in die Karriere

Stresserprobt ist Julian Steckel alleweil, das hat er mit seinem steilen Karrierestart bewiesen: Als blutjunger Studienabgänger gelangte er gleich als Solocellist zum Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Nach dem ersten Preis beim ARD-Musikwettbewerb 2010 hängte Steckel die Orchesterstelle kurzerhand wieder an den Nagel, startete selbstbewusst eine erfolgreiche Solokarriere und wurde – ganz nebenbei – Professor an der Hochschule für Musik und Theater Rostock.

Rückblickend meint Steckel, diese Zeit sei nahezu «gesundheitsgefährdend» gewesen: «Ich spielte hundert Konzerte im Jahr und unterrichtete daneben meine Klasse. Während dreier Jahre hatte ich fast keinen einzigen freien Tag. Das hat mir weder körperlich noch geistig gutgetan.» Heute ist er Teilzeitprofessor an der Hochschule für Musik und Theater München, widmet sich daneben seiner regen Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker. Mit diesem Modell sei er sehr glücklich, sagt Steckel. «Im Moment führe ich sogar ein relativ normales Leben», ergänzt er heiter lachend.

Der Traum von künstlerischer Freiheit

Tatsächlich gelingt es dem gefragten Solisten, in den ersten Monaten des Familienglücks etwas kürzerzutreten. Auftritte im Wiener Konzerthaus von vergangener Woche hat er abgesagt, und bis Ende Jahr sind nur eine Handvoll Engagements geplant. «Im Januar geht es dann aber wieder richtig los», fügt Julian Steckel sofort an. Spätestens jetzt wird klar, dass dieser junge Mann seine Energie daraus schöpft, mit dem Cello um die Welt zu reisen. Möglichst viel Zeit in seiner Wahlheimat Berlin zu verbringen, sei ihm aber sehr wichtig: «Je mehr man unterwegs ist, desto wichtiger ist die Basis zu Hause.»

Die Zeit daheim nutzt er allerdings schon mal, um sich Repertoiregedanken für kommende Saisons zu machen. «Sinn und Zweck der Karriere ist schliesslich, dass man sich immer mehr aussuchen kann, was und mit wem man spielt», meint er. Und beantwortet sich damit auch die Frage nach dem Ziel eines Musikers, der mit Mitte dreissig schon so vieles erreicht hat: künstlerische Freiheit.

Die Liebe zu einem Klassiker

Apropos künstlerische Freiheit. Unter der Leitung von Jun Märkl spielt Steckel mit dem Berner Symphonieorchester diese Woche Antonín Dvoráks Cellokonzert – das wohl berühmteste Werk seiner Gattung. Steckel rechnet, dass seine Anzahl Aufführungen des Konzerts bald im dreistelligen Bereich sind. Von Überdruss aber keine Rede:«Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir das Stück langweilig wird. Das Cellokonzert von Dvorák ist quasi der Mount Everest, an dem man sich als Cellist immer wieder probiert.» Julian Steckel hat erwiesenermassen die besten Voraussetzungen zum Gipfelstürmer.

Symphoniekonzert: Am 8., 9. und 10. November, je 19.30 Uhr, Stadttheater, Foyer. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.11.2018, 10:21 Uhr

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