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Frau fürs Feuer

Ursula Füri-Bernhard zog sich von der Opernbühne zurück. Nun gibt die Berner Opernsängerin ihr Comeback im Stadttheater – als böse Schwiegermutter in Leoš Janáceks Oper «Katja Kabanova».

Freut sich über musikalische Pralinés: Die Berner Opernsängerin Ursula Füri-Bernhard.
Freut sich über musikalische Pralinés: Die Berner Opernsängerin Ursula Füri-Bernhard.
Raphael Moser

Fototermin mit Ursula Füri-Bernhard beim Berner Stadttheater. Die Sängerin posiert für den Fotografen an der Pforte – dort, wo die Künstler ein- und ausgehen. «Mein Tor zu einer anderen Welt», erläutert die Bernerin, «das war meine zweite Heimat.» 1995 gab sie auf der Stadttheaterbühne ihr Debüt in einer Verismo-Oper von Riccardo Zandonai.

Ursula Füri-Bernhards erste Heimat heisst Ballmoos, dort kam sie 1961 in einer Bauernfamilie zur Welt, noch immer lebt sie in der Nähe. Mit der Isolde in Wagners «Tristan», Höhepunkt eines dramatischen Soprans, verabschiedete sie sich 2013 von der Opernbühne. Einerseits veränderte sich die Stimme, andererseits standen private Prüfungen an.

Vor zehn Jahren erkrankte ihr Mann, der Geiger Thomas Füri, an Parkinson. Im Juli 2017 verstarb der langjährige Leiter der Camerata Bern kurz nach seinem 70. Geburtstag an den Folgen der Krankheit.

Allein, aber auch frei

Wenn Ursula Füri-Bernhard auf das Leiden ihres Ehemanns und des Vaters der beiden erwachsenen Töchter zurückblickt, ist auch Erleichterung spürbar: «Es waren Jahre, die von Schmerzen geprägt waren. Wir erlebten in der Familie die ganze Palette an Emotionen, die eine solche Krise mit sich bringt, und wir sind alle an unsere Grenzen gestossen.

Es war ein Abschied in Raten, und ich habe viel über mich und das Leben gelernt. Ich bin dankbar, dass Thomas erlöst wurde.» Die Trauer spielt mit, wenn Füri-Bernhard die bangen Momente memoriert, sie wirkt aber auch befreit und dem Leben zugewandt. «Ich war noch nie so allein», sagt sie gefasst, «ich war noch nie so frei.»

Zuvor galt Ursula Füri-Bernhard in Bern und weit über die Landesgrenzen hinaus als die Stimme für die schweren Partien wie Puccinis Tosca. In Avenches war sie regelmässig zu sehen, auch als Verdis Aida. Die optimale Förderung ihrer Stimme führt sie auf die Berner Stätte zurück: «Man hat mich nicht zu früh in anspruchsvolle Partien gedrängt und gleichzeitig erkannt, dass mir Verdis dramatische Lady Macbeth mehr liegt als seine verspieltere Violetta.»

Wagner war für Füri-Bernhard die natürliche Entwicklung nach Verdi und ­Puccini. Internationale Anerkennung brachten Wagner-Heldinnen wie die Sieglinde in der Walküre an einem Festival in Edinburgh oder die Kundry in «Parsifal» in Basel.

Ein Praliné vom Berner Haus

Vor vier Jahren entdeckte Ursula Füri-Bernhard die sonore Tiefe im Jazz, 2015 zog sie sich ganz vom klassischen Betrieb zurück. Es folgten Auftritte mit Standards aus dem American Songbook, mit Michele Faber am Piano und Philipp Moll am Bass. Ein Neuanfang? Füri-Bernhard streicht sich durchs Haar, wiegelt ab: «Es bedeutet vor allem Spass!» Die Künstlerin ist bekannt für vollen Einsatz. «Wo Füri ist, ist auch Feuer», lautet ein Bonmot.

Wie muss man das Operncomeback mit «Katja Kabanova» werten? Die Bernerin schmunzelt, bevor sie antwortet: «Ich habe Blut geleckt. Mit der ‹Kabanicha› serviert man mir ein Praliné, Potz Donnerwetter! Janá?ek versteht es, die Emotionen in allen Farben auszudrücken. Ich freue mich auf die neue ­Herausforderung im tieferen Stimmfach.» Die Arbeit am Stadttheater mit all den bekannten und neuen Gesichtern sei wie ein Heimkommen: «Ich fühle mich aufgehoben wie in einer Familie. Es ist ein Miteinander und Für­einander, und ich darf so sein wie ich bin.»

Wie sieht sie die Zukunft, so allein und frei? Ursula Füri-Bernhard hat ein klares Ziel: «Ich habe immer auf dem Land gelebt, jetzt möchte ich in die Stadt Bern ziehen.» Wird aus dem Praliné eine Pralinéschachtel? Die Frage nach weiteren Angeboten entfacht das Füri-Feuer, und die grossen Augen beginnen zu funkeln: «Es gibt nichts zu berichten», stellt die Mittfünfzigerin klar, «aber ich werde mir bewusst, wie sehr ich diesen Beruf liebe.» Wenn sie am Samstag als ‹Kabanicha› die Lunte zündet, darf man hoffen, dass noch andere Feuerwerke entfacht werden. Auf der Opernbühne oder an einem Jazzkonzert.

Aufführungen:«Katja Kabanova», bis zum 27. Juni, Premiere:Sa, 19. Mai, Stadttheater Bern.

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