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«Investmentbanking ist einfacher als Klavier spielen»

Vom gefeierten Pianisten zum Banker und zurück: Das einstige Klavier-Wunderkind Josef Bulva kehrt von Monaco, wo er als Finanzmakler arbeitete, auf die Bühne zurück.

«Das ist natürlich peinlich, wenn ein Klaviervirtuose so etwas tut»: Josef Bulva übers Investment-Banking.
«Das ist natürlich peinlich, wenn ein Klaviervirtuose so etwas tut»: Josef Bulva übers Investment-Banking.

Aus politischen Gründen verliess Bulva 1972 sein Geburtsland. Er liess sich für rund 25 Jahre in München nieder und erlangte von dort aus internationale Bekanntheit. Doch vor 14 Jahren rutschte er auf dem Glatteis aus - darunter verborgene Glasscherben - und verletzte sich an der linken Hand so schwer, dass er seine Leidenschaft zum Klavier aufgeben musste.

Danach zog Bulva nach Monaco und wurde als Autodidakt ein erfolgreicher Finanzmakler. «Das ist natürlich peinlich, wenn ein Klaviervirtuose so etwas tut. Aber ich hatte keine Alternative.» Eine wirkliche Herausforderung sei dieser Beruf nicht gewesen: «Das ist nicht mal so schwierig wie eine Pause bei einer Sonate Beethovens.»

Heimliches Training

Als Autodidakt sah er nebenbei gar die die Finanzkrise voraus. In «Menschen der Woche» sagt Bulva 2005 im Interview zu Frank Elstner: «Wir haben unser finanzielles System sehr leichtfertig in die Hände von wenig verantwortlichen Leuten gegeben. Wir jagen jeden Tag 1,6 Billionen - Billionen, nicht Milliarden! - Gelder durch den Planeten. Das ist fiktives Geld, und wenn da was passiert, dann gehen hier in ihrem Studio in drei Tagen die Lichter aus.» Aber der Beruf erfüllt ihn nicht, denn sein Herz gehört der Musik. Er lässt sich noch einmal operieren. 13 Jahre nach dem Unfall setzt er sich wieder an den Flügel.

Der 1943 in Brünn geborene Solist hat sein Comeback seinem starken Willen und seiner Disziplin zu verdanken. «Zu meinem 60. kam der Entschluss: Ich versuche es noch einmal», so Bulva. Er trainierte die Spielfähigkeit seiner Finger vier Stunden täglich, ganz heimlich. Heute, mit 67 Jahren, übt er bis zu sieben Stunden an sieben Tagen der Woche.

Und tatsächlich: Nun kommt der einst in Tschechien als Wunderkind gefeierte und später als «Pianist der Pianisten» gelobte Bulva im Oktober mit Sonaten von Frédéric Chopin, Ludwig van Beethoven und Bohuslav Martinu zurück auf die Konzertpodien in Deutschland und der Schweiz.

SDA

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