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Klassiker der Woche: Harnoncourts Blick

Nikolaus Harnoncourt dirigiert mit Händen, Stimme und Augen. Und er elektrisiert in dieser Probe zu Verdis «Aida» Musiker und Sänger gleichermassen.

Wenn man eine Glühbirne in diesen Saal gehalten hätte, sie hätte sich wohl entzündet. Jedenfalls muss die Atmosphäre elektrisch gewesen sein. Thomas Hampson, Matti Salminen und Vincenzo La Scola gestikulieren, als würden sie sich kaum vor Handgreiflichkeiten zurückhalten können (und tatsächlich geht es ja gar nicht friedlich zu und her in diesen letzten Takten des 3. Aktes von Verdis «Aida»). Vor allem aber ist da der Dirigent Nikolaus Harnoncourt, der mit seinen Händen und mehr noch mit seinem Blick dafür sorgt, dass keine einzige flaue Note erklingt.

Man gerät schon beim Zuschauen ins Schwitzen, wenn er die Wiener Philharmoniker antreibt, mitzieht, hypnotisiert. Dabei brummt und raunt er mit, als ob er jede einzelne Partie am liebsten selber übernehmen würde, als ob er persönlich all die Kämpfe auszufechten hätte, um die es hier geht. Dass er ein gespaltenes Verhältnis hat zum Begriff historische Aufführungspraxis, braucht einen da nicht zu wundern: Diese Musik spielt hier und jetzt.

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