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Komponist Hans Werner Henze ist tot

Hans Werner Henze ist einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Heute starb er im Alter von 86 Jahren – noch vor kurzem war er für eine Antikriegsoper frenetisch gefeiert worden.

Wurde durch seine Erfahrungen in der Kriegsgefangenschaft geprägt: Hans Werner Henze. (11. September 2012)
Wurde durch seine Erfahrungen in der Kriegsgefangenschaft geprägt: Hans Werner Henze. (11. September 2012)

Mit Hans Werner Henze ist einer der meistgespielten zeitgenössischen Komponisten gestorben. Wie der Mainzer Musikverlag Schott mitteilte, starb Henze in Dresden im Alter von 86 Jahren. Die Wegbegleiter und Opernhäuser reagierten bestürzt und würdigten den in Gütersloh geborenen Henze als Jahrhundertkomponisten.

Henze hinterlässt ein umfangreiches Werk. Die Zusammenarbeit mit der Dichterin Ingeborg Bachmann bei den Opern «Der Prinz von Homburg» (1958/59) und «Der junge Lord» (1964) zählte ebenso zu den Höhepunkten seines Schaffens wie die Musikdramen «Elegie für junge Liebende» (1959–61) und «Die Bassariden» (1964–65).

Durch Kriegsgefangenschaft geprägt

Henze wurde durch seine Erfahrungen in der Kriegsgefangenschaft geprägt. Sein politisches Engagement ab Mitte der 60er-Jahre nahm starken Einfluss auf seine Kompositionen, die Wahl der Texte und Sujets. Er wollte zu den politischen Fragen seiner Zeit in einer neuen Musiksprache Stellung beziehen. Er thematisierte beispielsweise das faschistische Deutschland, die Ereignisse von 1968 und die Revolution in Kuba. 1988 gründete er die Münchener Biennale, deren künstlerischer Leiter er bis 1994 war.

Die Semperoper in Dresden, die Henze in der Spielzeit 2012/2013 einen Schwerpunkt widmete, hatte erst Mitte September die Antikriegsoper «Wir erreichen den Fluss – We come to the River» des zuletzt in Italien lebenden Komponisten auf die Bühne gebracht. Der 86-Jährige kam persönlich zur Premiere und wurde schon vor der Aufführung vom Publikum stürmisch gefeiert.

Staeck: Henze bezog in seinem Werk politische Positionen

Der kaufmännische Geschäftsführer der Semperoper, Wolfgang Rothe, sagte am Samstag im Namen aller Mitarbeiter, Henzes Werke seien von grosser Bedeutung für das Haus und die Sächsische Staatskapelle Dresden. «Dass wir am Tag seines Todes eines seiner Werke, ‹Das Vokaltuch der Kammersängerin Rosa Silber›, in unserem neuen Ballettabend als Kreation auf die Bühne der Semperoper bringen, berührt mich zutiefst», fügte Rothe hinzu.

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, nannte Henze einen «Jahrhundertkomponisten». In seinem vielfältigen Werk habe er auch immer politische Positionen aufseiten der Aufklärung bezogen, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur DAPD. Der Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden, Jürgen Flimm, betonte Henzes Bedeutung für die Entwicklung der Oper nach dem Zweiten Weltkrieg. «Henze hat die verschüttete Operntradition aufgeweckt», sagte Flimm der DAPD. Er sei ein «bedeutender Opermann» und «hochkreativer Intellektueller» gewesen.

Auch der Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, reagierte bestürzt auf die Todesnachricht. Er nannte Henze ein Vorbild. «Wir empfinden seine Energie als Auftrag, für die ständige Erneuerung der Musik zu kämpfen», sagte Pereira.

Henzes Musikverlag Schott würdigte ihn als einen der «vielseitigsten und wirkungsvollsten Komponisten unserer Zeit». Seine grenzenlose musikalische Fantasie habe während seiner langen künstlerischen Laufbahn in der Komposition von mehr als 40 Bühnenwerken und zehn Symphonien, in Konzerten, Kammermusik, Oratorien, Liederzyklen und einem aus neun Konzerten bestehenden Requiem Ausdruck gefunden.

(SDA)

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