Zum Hauptinhalt springen

Selten ist eine Aufführung derart missglückt

Selten engagiert das Zürcher Opernhaus so viele grosse Namen aufs Mal wie beim neuen «Tannhäuser». Doch zur Geltung kommen sie nicht.

Das Schwert ist ein wenig aus der Mode gekommen seit dem Mittelalter, auch die Leier hat ausgedient. Ein heutiger Künstler, erst recht ein Rebell wie der Minnesänger Tannhäuser, spielt E-Gitarre – so hat es der Starregisseur Harry Kupfer beschlossen, der mit seinen 75 Jahren in Sachen Jugendkultur verständlicherweise nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand ist. Genauer hat er bei den Senioren hingeschaut: Bei jenen, die sich im Venusberg noch einmal ihre Männlichkeit beweisen wollen. Oder bei jenen, die auf dem Golfplatz in professionellen Schuhen ihr Bier trinken. Dass sie auch dort ihre E-Gitarren dabei haben – nun ja, das kann man als künstlerische Freiheit abbuchen.

Man würde es wohl auch tun, wenn bis zu diesem Moment nicht schon so vieles schiefgegangen wäre in diesem neuen Zürcher «Tannhäuser». Wenn das Bühnenbild im Venusberg nicht so laut geklappert hätte beim Verschieben. Wenn sich der riesige Aufwand für diese der späteren Pariser Fassung entlehnten Rotlichtszene – Tänzerinnen! Kostüme! Aufzugsbett! – auch künstlerisch gelohnt hätte. Wenn es einen Grund dafür gäbe, dass die Minnesänger sich in Golfer verwandeln. Oder wenn wenigstens die Hauptfiguren zur Geltung kämen!

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.