SRF schneidet bereits gezeigten Tonhalle-Dokfilm wieder um

Im Film über das 150-Jahr-Jubiläum der Tonhalle kam der umstrittene Dirigent Lionel Bringuier zuerst nicht selbst zu Wort. Jetzt aber schon.

Kommt dank einer Nachfrage dieser Zeitung doch noch selbst zu Wort im Tonhalle-Dokfilm: Dirigent Lionel Bringuier. Bild: Keystone

Kommt dank einer Nachfrage dieser Zeitung doch noch selbst zu Wort im Tonhalle-Dokfilm: Dirigent Lionel Bringuier. Bild: Keystone

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Es fällt vor allem eines auf in der Dokumentation, die Barbara Seiler zum 150-Jahr-Jubiläum der Tonhalle-Gesellschaft fürs Schweizer Fernsehens gedreht hat und die am Freitag als Vorpremiere in der Tonhalle Maag gezeigt wurde: Die Konflikte zwischen Lionel Bringuier und dem Orchester nehmen sehr viel Raum ein, im Kommentar, in den Gesprächen mit dem Ex-NZZ-Musikredaktor und scharfen Bringuier-Kritiker Peter Hagmann. Aber Bringuier selbst taucht kaum auf im Film. Zunächst hätte das Interview mit ihm gar nicht vorkommen sollen; erst aufgrund einer Anfrage dieser Zeitung, warum dies so sei, wurde doch noch ein Satz daraus eingefügt.

Ein Akt der späten Fairness, sozusagen. Die Dramaturgie des Films, die den Aufbruch im Umbruch betonen wollte, wird nicht gestört davon. Es ist ein staubiger Aufbruch, bei den Renovationsarbeiten in der Tonhalle, beim Aufbau der Tonhalle Maag. Aber es hat schon seine Richtigkeit, wenn Tonhalle-Intendantin Ilona Schmiel von einem «schnellen Entstaubungsprozess» spricht, der derzeit im Gang sei. Das Provisorium hat einiges ausgelöst, im Orchester wie im Publikum. Und es ist eigentlich genau richtig, dass das 150-Jahr-Jubiläum im Maag-Exil gefeiert wird: So jung war die Tonhalle schon lange nicht mehr.

Der Film führt durch diese 150 Jahre, durch gute und schlechte Zeiten, vom umgebauten Kornhaus auf dem Sechseläutenplatz über die Tonhalle bis in die Maag. Dazu zeichnet er ein vielstimmiges Porträt der Gegenwart. Dass er jedes Mal, wenn die Kamera in die Nähe der Tonhalle Maag kommt, vom klassischen Soundtrack auf hippe Elektronik wechselt, ist allerdings schade: Hippe Klassik, das wäre die richtige Botschaft ­gewesen.

Aber so oder so, eines bekommt man jedenfalls mit: Dass die Tonhalle-Leute alles tun werden, um zu verhindern, dass nach der Rückkehr in den Stammsaal gleich wieder die Einstaubung beginnt.

Geburtstag im Exil: 150 Jahre Tonhalle-Orchester. Sternstunde Musik, 10. Juni, 23.35 Uhr, SRF 1; Wiederholung 16. Juni, 12.30 Uhr, SRF Info.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.06.2018, 17:40 Uhr

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