Thun

Überschäumende Lebensfreude

ThunMit einem Aufgebot von rund 350 Mitwirkenden feierte Carl Orffs «Carmina Burana» am Sonntag im KTK ihre Geburt vor fast genau achtzig Jahren.

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Bei Nieselregen und Tempera­turen kurz über der Schlittschuhgrenze fanden am Sonntag rund 550 Personen den Weg ins Kultur- und Kongresszentrum Thun, um musikalisch Sonne zu tanken. Das Konzert unter der Leitung von Patrick Secchiari bildete den Abschluss des Singweekends der Schweizerischen Föderation Europa Cantat und ermöglichte zudem die Mit­wirkung von 180 Sängerinnen und Sängern aus der ganzen Schweiz.

Um Platz für das Blasorchester Oberland Thun zu machen, mussten die ersten sieben Stuhlreihen im Schadausaal weichen – die rund 550 verbliebenen Plätze waren bereits im Dezember verkauft. Bevor die «Carmina Burana» ihre ganze Lebensfreude versprühen konnte, spielte das Blasorchester zwei Stücke aus dem 20. Jahrhundert, um beim Publikum die Vorfreude zu steigern. Kraftvoll wie schmeichelnd bot das Ensemble «Festival Bells» vom österreichischen Komponisten Thomas Doss dar und läutete vortrefflich ein knapp zwei­stündiges Konzert ein.

Das anschliessende Stück «Angels in the Architecture» des US-Amerikaners Frank Ticheli erfuhr eine überraschende Instrumentierung mit in der Luft geschwungenen bunten Plastikschläuchen, die mancher aus Kindertagen kennt. Zeitgleich wurden Weingläser zum Singen gebracht. Zu diesen sphärisch anmutenden Klängen gesellte sich der Sopran der Solistin Lena Kiepenheuer unendlich zart, um von grummelnden Bläsern jäh aus der Trance gerissen zu werden.

Aufwühlende Klänge, eine krächzende Posaune und Passagen, die einem Krimi gut gestanden hätten, wechselten mit tröpfelndem Xylofon, bedrohlicher Eskalation bis zur Happy-End-Musik. Der gelungene Wegbereiter für die folgende «Carmina Burana» fand beim Publikum im wahrsten Sinn des Wortes grossen Anklang; es applaudierte begeistert.

Wohlige Schauer

Carl Orff mischte bei seinem Meisterwerk krauses Mönchs­latein mit treuherzigem Alt­hochdeutsch und zierlicherem Troubadourfranzösisch, Minnelied und Saufcantus. Das Ganze, unterlegt und gegliedert von einer scharf hackenden Rhythmik, erscheint wie das musikalische Abbild überschäumender Lebenslust. Die Solopassagen übernahmen Lena Kiepenheuer (Sopran), Raphael Höhn (Tenor) und Erwin Hurni (Bariton) bravourös.

Es gab durchaus Konzertgäste, welche die Texte in den bereitliegenden Programmheften mitverfolgten. Der überwiegende Teil jedoch liess sich von den knapp 300 Sängerinnen und ­Sängern forttragen in einem kraftvollen Chorkonzert, das wohlige Schauer über den Rücken erzeugte. Der minutenlange Applaus mit stehenden Ovationen steigerte sich noch, als das gesamte Ensemble mitklatschte, um den Dirigenten Patrick Secchiari zu feiern.

Der Beaten­berger Chorleiter in Seftigen ist neuer Präsident der Schweizerischen Föderation Europa Cantat und machte durch Mitsingprojekte, musikalische Rundgänge, Baustellenkonzerte oder Flashmobs in Bern von sich reden. Mit der «Carmina Burana» dürfte er einen weiteren Meilenstein gelegt haben.

Weitere Aufführung der «Carmina Burana»: 28. Januar, 17 Uhr, Kursaal Interlaken, Konzerthalle. Vorverkauf: www.ticketfrog.ch. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 22.01.2018, 21:32 Uhr

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