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Venzago schenkt der Welt zwei Schubert-Sätze

Vollwertig in der Form, aber nicht im Inhalt: Am Donnerstagabend nahm sich das Berner Symphonieorchester die Freiheit, Schuberts «Unvollendete» zu vollenden.

BSO-Chefdirigent Mario Venzago.
BSO-Chefdirigent Mario Venzago.
Renate Heer / zvg

Schicksalsschwer und düster raunend: So ist der Auftakt zu Franz Schuberts h-Moll-Sinfonie traditionell zu hören. Als würde ein 100-Kilo-Held mit müden Beinen zu Grabe getragen.

Wie anders klingt es, wenn sich Mario Venzago mit dem Berner Symphonieorchester die «Unvollendete» vorknöpft: als würde die Trauergesellschaft von Geistern verfolgt. «Für mich ist die Siebte die Sinfonie der Unruhe, die dramatischste, die Schubert geschrieben hat», sagt der Chefdirigent. Im Kultur-Casino wird das greifbar. Nicht nur im Eröffnungssatz, der deutlich intensiviert ist und nun mitunter an Schumanns «Rheinische Sinfonie» erinnert. Auch und gerade im zweiten Satz, der bei Venzago zerbrechlich, voll innerer Dramatik erscheint. Berns Chefdirigent ist nicht der erste, der bei der «Unvollendeten» gegen die Tradition anspielen lässt. Bei ihm indes erhält der beschleunigte Kopfsatz eine neue, schlüssige Funktion – als Teil einer «vollendeten» Sinfonie in vier Sätzen.

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