Ausstellung mit Gurlitt-Werken in Jerusalem

Im Israel-Museum in Jerusalem werden in der Ausstellung «Fateful Choices» Werke aus der Sammlung Gurlitt gezeigt.

Rund 100 Werke aus dem Kunstfund Gurlitt sind bis Ende Januar im Israel-Museum in Jerusalem zu sehen. Die Ausstellung mit dem Titel «Fateful Choices» (etwa: Schicksalsentscheidungen) zeigt Werke herausragender Künstler wie Otto Dix, Max Ernst oder Emil Nolde.

«The Fateful Choises» befasst sich auch mit der komplexen Figur von Hildebrand Gurlitt, einem der wichtigsten Kunsthändler der Nazionalsozialisten.

Er trug zahlreiche Kunstwerke zusammen, die nach seinem Tod an Sohn Cornelius Gurlitt gingen. Letzterer hütete die Kunstwerke unter grösster Verschwiegenheit, bis sie 2012 zufällig entdeckt wurden. Der Fund galt als Sensation, doch grosse Teile der Sammlung standen im Verdacht, jüdischen Besitzern geraubt oder abgepresst worden zu sein.

Anspruchsvolles Erbe

Cornelius Gurlitt starb 2014 und hinterliess das schwierige Erbe überraschenderweise dem Kunstmuseum Bern. Umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten sind seither an die Hand genommen worden, um die Herkunft der Kunstwerke zu erforschen.

Von den rund 1500 Werken, davon viele auf Papier, haben sich bisher neun eindeutig als NS-Raubkunst erwiesen. Bis im August 2019 konnten sechs Werke an Nachfahren der rechtmässigen Eigentümer zurückgegeben werden, wie das Kunstmuseum Bern am Montag mitteilte.

Die Ausstellung in Jerusalem wurde in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bern und der Deutschen Bundeskunsthalle in Bonn konzipiert. In den beiden Häusern fand bereits eine grosse Doppelausstellung zum Kunstfund Gurlitt statt.

Ausstellung mit Symbolwert

Schlomit Steinberg, Kuratorin für europäische Kunst im Israel-Museum, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: «Die Ausstellung hat Symbolwert.» Israel sei seit 2014 an der Gurlitt-Taskforce beteiligt gewesen. Das Museum kümmere sich ausserdem schon seit den 1990-er Jahren um die Rückgabe von Raubkunst an jüdische Erben.

Steinberg hatte im Jahre 2008 im Israel-Museum die vielbeachtete Ausstellung «Suche nach Eigentümern» organisiert. Damals wurden eine Reihe von Bildern gezeigt, die Nationalsozialisten aus Frankreich geraubt hatten. Parallel dazu lief die Ausstellung «Verwaiste Kunst».

Alle in Jerusalem gezeigten Werke aus der Gurlitt-Sammlung seien gründlich geprüft worden, erklärte Steinberg. Bei keinem bestehe ein NS-Raubkunstverdacht. «Aber wenn ein Besucher kommen und ein Werk beanspruchen sollte, würden wir ihn natürlich darüber anweisen, welche juristischen Schritte unternommen werden müssen.

Mit den deutschen und Schweizer Kollegen sei dank der Gurlitt-Ausstellung «eine Zusammenarbeit entstanden, die ein Segen für die nächsten Jahre sein wird». Eines der jetzt in Jerusalem ausgestellten Werke ist der Entwurf in Pastellfarben für Max Liebermanns Ölgemälde «Zwei Reiter am Strand» (1901). Das höchstwahrscheinlich von den Nazis beschlagnahmte und später von Gurlitt gekaufte Ölgemälde war 2015 den Erben um den New Yorker Anwalt David Toren zurückgegeben worden. «Deswegen war es sehr wichtig für mich, den Pastell-Entwurf in der Ausstellung zu zeigen», sagt Steinberg.

Die Ausstellung besteht aus vier Teilen: Gurlitts Familiengeschichte, «Entartete Kunst», Gurlitts Zeit als Kunsteinkäufer in Paris und seine Zeit als Museumsdirektor in Düsseldorf und Sammler. Gurlitt hatte mit Werken, die die Nazis als «entartet» diffamiert hatten, Geschäfte gemacht und war auch Einkäufer für Hitlers in Linz geplantes «Führermuseum».

Museumsdirektor Ido Bruno sagte, für das israelische Publikum sei die Figur Hildebrand Gurlitt besonders interessant: «Man fragt sich, was ist diesem Menschen passiert, der jüdische Wurzeln hatte, der ein begabter Kunstsammler war und der dann eine Kehrtwende vollzogen hat.»

Es stelle sich die Frage, «ob er moralisch falsche Entscheidungen getroffen hat oder ob es ein Akt des Überlebens war». Gurlitt sei eine komplexe Persönlichkeit gewesen, die man unbedingt im historischen Kontext sehen müsse. Man wolle die Geschichte aber »durch die Kunstwerke erzählen«, betont Bruno.

Auch Kuratorin Steinberg sagt: «Ich wollte, dass die Kunstwerke im Zentrum stehen. Sie sind für die Ewigkeit, sie haben ihr Eigenleben, ihre Seele, ihre Schönheit.»

flo/sda

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