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Berner Bildpoet feiert seinen 100. Geburtstag

Am ersten Januar wird der Berner Künstler Rudolf Mumprecht hundert Jahre alt. Seit den Sechzigerjahren schafft er aus Schriftzügen Bilder, die herausfordern oder zum Träumen anregen.

Rote Akzente setzt er nicht nur in seinen Bildern. Künstler Rudolf Mumprecht wird am 1. Januar 100-jährig.
Rote Akzente setzt er nicht nur in seinen Bildern. Künstler Rudolf Mumprecht wird am 1. Januar 100-jährig.
Keystone

«Eine Seifenblase erzählte mir ihr Leben» steht in beschwingter Schrift auf Leinwand geschrieben. Schillernd und kurz stellt man sich dieses Leben vor. Farbige Tupfer auf diesem für Rudolf Mumprecht typischen Wortbild stehen für die Schönheit und Vergänglichkeit der «Erzählerin».

Mumprechts Bilder sprechen den Betrachter unmittelbar an, haben manchmal etwas Aufklärerisches, immer etwas Poetisches. Am Neujahrstag feiert der Zeichner und Bildpoet seinen 100. Geburtstag. Geboren wurde Mumprecht am 1. Januar 1918 in Basel. Er wuchs in Bern auf, wo er 1998 den Kulturpreis der Burgergemeinde Bern erhielt und wo sich sein Nachlass befindet.

Die Gewissheit der Sprache

Anlässlich seines 90. Geburtstages zeigte das Kunstmuseum Bern die Ausstellung «weiss schwarz rot» mit Arbeiten der letzten dreissig Jahre. Damals erklärte der Künstler seine Reduktion auf wenige Farben folgendermassen: «Die Gewissheit der Sprache, nicht die Gewissheit der Farbe ist mein Thema.»

Anfang der Fünfzigerjahre hatte Mumprecht an der Sorbonne in Paris Vorlesungen von Roland Barthes besucht. Dies prägte ihn nachhaltig. Barthes, ein sogenannter Semiotiker, beschäftigte sich intensiv mit Zeichen und Sprachprozessen. Mumprecht positionierte sich seit den Sechziger­jahren mit seinen unverwechselbaren Sprachbildern als Grenzgänger zwischen Bild und Wort sowie zwischen den Sprachen selbst. Deutsch, Italienisch und Französisch spielen in seinem Werk eine Rolle. Die Leichtigkeit seines malerischen Gestus kollidiert oft mit existenziellen Themen.

Kein Dadaist

Bevor Mumprecht sich ganz dem Wort verschrieb, war er wie viele seiner Zeitgenossen von der symbolistischen Malerei des Berners Ferdinand Hodler inspiriert. In den Nachkriegsjahren widmete er sich kurz dem abstrakten Expressionismus. Das Transformieren von Schriftzügen in Malerei und das Integrieren von Zahlen oder Zeitungsfragmenten begründeten schliesslich seinen eigenen Stil.

Das mag an die Dadaisten erinnern. Doch während diese mit zelebriertem Nonsens den Missbrauch, der mit Spra­che betrieben wird, aufzudecken versuchten, geht es Mumprecht eher darum, den Wörtern Grös­se zu verleihen. Der Schriftzug «amour» etwa, der durch ein rotes Farbfeld akzentuiert ist, lässt keinen Zweifel daran, wie wichtig die Liebe in unserem Leben ist.

Sinnsuche ist in Mumprechts Werk gefragt, der Betrachter soll während des Lesens mitschöpfend wirken und Leerstellen mit eigenen Gedanken füllen. Ein wichtiges Thema ist die Zeit und ihr ständiges Voranschreiten. Wörter wie «et puis», «damals» oder «dopodomani» kommen in Mumprechts Œuvre vor. S

eine Bildkomposition mit den Wörtern «midi» und «minuit» kommentierte der Künstler gegenüber dieser Zeitung wie folgt. Jeder Tag habe vierundzwanzig Stunden. Bis midi seien es zwölf Stunden, bis minuit seien es erneut zwölf. «Darin erkennen wir unsere Grenzen. Dieser Tatsache kann man nicht entkommen, denn kein Tag ist länger als vierundzwanzig Stunden.»

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