Das Konzert der Tiere im Erdreich

Der Umweltwissenschaftler und Klangkünstler Marcus Maeder macht hörbar, wie viel Leben im Boden steckt.

Video-Teaser zum Projekt Soundsoil.Quelle: www.youtube.com<a href="https://www.youtube.com/channel/UClpcQLJy7tjFZ0Mim25J-oA" target="_blank">/biovisionfoundation</a>

Tina Uhlmann

Es rumpelt, schnieft, klopft, zirpt, raschelt, schwappt, schwingt und swingt unter unseren Füssen – eigentlich logisch. Denn wenn es dunkel ist wie im Boden, muss, wer dort lebt, akustisch kommunizieren. Für Würmer, Tausendfüssler, Springschwänze und zahlreiche andere Tiere bis hin zu den Mikroorganismen ist das Erdreich Lebensraum.

Aber nicht nur sie kann man ab Samstag im Fruchtland beim Zentrum Paul Klee (ZPK) über Sensor und Verstärker hören, sondern auch den Wind, der die Gräser bis in die Wurzeln bewegt, oder deren Trockenstress, wenn es wie in letzter Zeit lange nicht regnete.

Dieses Klangerlebnis bietet «Sounding Soil», ein Projekt, welches das ZPK zusammen mit Biovision, Stiftung für ökologische Entwicklung, öffentlich zugänglich macht. Begonnen hat das Ganze als wissenschaftliches Forschungsprojekt. Der ETH-Umweltwissenschaftler und Klangkünstler Marcus Maeder hat auf einer Wiese im Wallis Sensoren in die Erde gesteckt, die zuvor das Innenleben von Bäumen hörbar gemacht hatten. «Wie vielfältig das war, was ich da zu hören bekam, hat mich völlig überrascht», erzählt er.

Allerdings hat Maeder mit der Bergwiese auch einen idealen Boden erwischt. Bei weiteren Versuchen in landwirtschaftlich genutzten Böden stellte er fest, dass das Konzert der Tiere dort sehr viel eintöniger ausfiel. Grund: Je mehr die Böden verdichtet sind, von Monokulturen ausgelaugt und mit chemischen Düngern und Pestiziden getränkt, desto weniger Leben regt sich darin. In intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftszonen übermittelt der Sensor fast gar keine Töne mehr aus der Tiefe – als ob die Erde, aus der unsere Lebensmittel wachsen, tot wäre.

Ein Ziel der Stiftung Biovision ist es, Landwirtinnen und Landwirte, aber auch die Bevölkerung ganz allgemein für die Lebendigkeit des Bodens zu sensibilisieren und seine schonende Bewirtschaftung zu fördern. Die Installation vor den Toren des ZPK ist ein erster Schritt. Eingetreten! Im Innern des Containers mit Garten und Sensor auf dem Dach ist es dunkel. Was man hört, sind die Botschaften einer Welt, die wir mit Füssen treten.

Weitere Informationen unter www.soundingsoil.ch und www.zpk.org

Berner Zeitung

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