Digitale Spuren

Gemälde aus dem Drucker und Inspirationsquelle Social Media: Was Digitalität mit Kunst anstellt, zeigt eine Berner Doppelausstellung.

Gigga Hugs «Chrysantheme orange-türkis» (links) und «Lost Parade 8» von Gildas Coudrais.

Gigga Hugs «Chrysantheme orange-türkis» (links) und «Lost Parade 8» von Gildas Coudrais.

(Bild: PD)

Stefanie Christ@steffiinthesky

Welchen Einfluss haben digitale Medien und Technologien auf die Gegenwartskunst? In der Berner Galerie da Mihi laufen derzeit zwei Ausstellungen, die unterschiedliche Möglichkeiten aufzeigen – und mit unseren Seh­gewohnheiten spielen.

Da wären etwa die Ölbilder von Gigga Hug aus Bern. Die 1974 geborene Künstlerin schafft es, präziseste, feinste Linien über die Leinwand zu legen. Wie ist das menschenmöglich? Gar nicht! Nach einer digitalen Vorlage der Künstlerin hat ein Spezialdrucker das Ölgemälde erstellt.

Für die grafischen Arbeiten benötigt Hug gar keine Leinwand als Grund. So flimmern ihre Werke im Ausstellungsraum zusätzlich über einen eigens für die Kunstprojektion optimierten Flachbildschirm im edlen Holzrahmen. Virtuelle Kunst, überall und jederzeit «abspielbar»? Ein realistisches Zukunftsszenario.

Die Glasmalereien auf Leuchtkästen des 1975 geborenen Franzosen Gildas Coudrais hat der Künstler von Hand gefertigt. Die quadratischen Bilder zeigen modifizierte Profilbilder aus sozialen Medien.

Sie führen vor Augen, dass Instagram, Facebook und Co. mit ihrer spezifischen Ästhetik unsere Bildbetrachtung beeinflussen und so auch Wege in die bildende Kunst finden – im Fall von Coudrais auf sehr lustvolle, symbolstarke und zuweilen surreale Weise. Mit einer Rauminstallation übt Coudrais auf sehr humorvolle Weise Kritik an unserer Selfie-Gesellschaft: Scheinbar frei schwebend hängt ein goldener Selfie-Stick im Raum.

Daran ist nicht etwa ein Smartphone befestigt, sondern ein ebenfalls goldener Revolver, der rosarote Rosen «schiesst». Im Visier? Eine monochrome, blaue Hinterglasmalerei mit dem simplen Satz: «Wenn ich nur ein Leben habe, lass es mich als Blondine leben.»

Ausstellungen: noch bis zum 23. Juni, Galerie da Mihi, Gerechtigkeitsgasse 40, Bern.

Berner Zeitung

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