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Eine herausgeputzte Familie

Der Stanser Polizeifotograf Arnold Odermatt verfolgte in seiner Freizeit seine Familie mit der Kamera. Zum Glück.

Bereitmachen fürs Familienbild: Trübsee, Wolfenschiessen (1964).
Bereitmachen fürs Familienbild: Trübsee, Wolfenschiessen (1964).
Arnold Odermatt © 2010, Pro Litteris, Zürich
Mit dem Selbstauslöser an der Seepromenade: Die Odermatts in Ascona (1963).
Mit dem Selbstauslöser an der Seepromenade: Die Odermatts in Ascona (1963).
Arnold Odermatt © 2010, Pro Litteris, Zürich
Stansstad (1963).
Stansstad (1963).
Arnold Odermatt © 2010, Pro Litteris, Zürich
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Es hat dann nicht mehr ganz gereicht, bevor der Selbstauslöser die Familie Odermatt erwischte. An diesem Sommertag in Ascona 1963, vis-à-vis des Hotels Castello gleich zu Beginn der malerischen Seepromenade von Ascona. Es hat dem Vater Arnold nicht mehr ganz gereicht, das widerspenstige Töchterchen Doris richtig zu platzieren, und auch sein eigenes Haupt wischt zu schnell durchs Bild. Söhnchen Urs, Mutter Dorly – besonders chic in goldenen Sandalen – und Schwiegermutter Anna dagegen posieren so professionell gelassen, wie sie das immer tun müssen. Und auch die Oleanderbüsche, die Autos und das Castello halten in der gleichen Seelenruhe hin, wie sie es für jeden anderen Freizeitfotografen auch tun würden.

Für eine Postkarte würde dieses Familienbild der Odermatts auf einem Bänkli am Rand eines Parkplatzes allerdings nicht reichen, aber für einen stimmungsvollen Familienschnappschuss eines typischen Schweizerreisleins einer typischen Schweizer Familie ist es eben einfach sehr, sehr typisch. So wie die Strandbadbilder aus Weggis oder Bellinzona, die Skiferienbilder vom Jochpass, das Doris-beim-Kühe-Füttern-Bild aus Beckenried, all die Ausflüge nach Luzern, ins Welschland, ins Tessin oder auch einfach zur nächsten Migros.

Mit der Kamera belästigt

Überall hat Arnold Odermatt, der als Polizeifotograf zur Legende wurde, seine Liebsten fotografiert, aber immer in der Freizeit, wo entweder die Familie oder die Landschaft und meistens beide aufs Schönste herausgeputzt waren. Es scheint dies sein Gegenprogramm zu all den Unfallschauplätzen und Todeskarossen gewesen zu sein, die er berufshalber fotografierte, all die an Tunnelwänden zusammengefalteten oder in Seen abgesoffenen Autos.

Man kann sich vorstellen, wie der Vater der Familie im zivilen Alltag mit seiner schussbereiten Kamera lästig wurde, die kleine Doris jedenfalls verzieht immer wieder das Gesicht und macht Ausbruchsversuche, und auch Dorly posiert nicht immer nur strahlend. Und einmal, das Liebesglück daheim in Stans war noch jung und kinderlos, da riss sie sich gleich ganz wieder aus einem Bild heraus. Wenn man das Sofa betrachtet, das noch zu erkennen ist, und die entspannte Fussspitze darauf, die Dorlys Attacke knapp überlebt hat, so muss man annehmen, dass es sich um ein sehr laszives, sehr privates Bild gehandelt hat.

Ein grosses Vergnügen

Nur der kleine Urs war immer schon ein begeisterter Poseur. Nun hat er die mal schwarzweissen, mal stilvoll verblichenen, mal knallbunt konservierten Familienbilder im 85. Jahr seines Vaters als Buch herausgegeben. Es ist ein grosses Vergnügen.

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