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Mythos Bauhaus

Die Ausstellung «bauhaus imaginista» im Zentrum Paul Klee zeigt, wie verbreitet die Ideen- und Formenlehre der Bauhaus-Schule war. Vieles, was vor hundert Jahren entwickelt wurde, hallt bis heute nach.

Robyn Beeches Fotografie «Vidal Sassoon: Bauhaus», 1986, ist vom Bauhaus inspiriert.
Robyn Beeches Fotografie «Vidal Sassoon: Bauhaus», 1986, ist vom Bauhaus inspiriert.
Robyn Beeche Foundation, Australia
Arbeit mit Stoffen: Sheila Hicks' «Ventana III», 1962.
Arbeit mit Stoffen: Sheila Hicks' «Ventana III», 1962.
Pro Litteris, Zürich
Typisch: Paul Klees «Monument im Fruchtland», 1929.
Typisch: Paul Klees «Monument im Fruchtland», 1929.
ZPK
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Futuristisch und märchenhaft zugleich wirken die Figuren in den Aufnahmen der Fotokünstlerin Robyn Beeche. Die gebürtige Australierin fing in ihren stark stilisierten Bildern den Zeitgeist der Achtzigerjahre ein.

Damals prägten britische Jugendkulturen von Punk bis New Romantic das Strassenbild Londons. Aufwendiges Make-up und theatralische Posen gehörten zu dieser Ästhetik dazu.

Weltweiter Einfluss

Im Zentrum Paul Klee in Bern stösst man zurzeit auf eine ganze Serie der 2015 verstorbenen Fotografin. Beeche liess sich vom Bauhaus inspirieren. Ganz konkret von Oskar Schlemmers «Triadischem Ballett», bei dem Kostüme, Bewegung und Raum ein avantgardistisches Ganzes bildeten.

Die Figuren in Beeches Fotografien tragen wie einst Schlemmers Tänzer Tutus aus geometrischen Formen. Es ist eines von vielen Beispielen dafür, wie sehr die Formen- und Ideenlehre bis heute nachwirkt.

Mit der Ausstellung «bauhaus imaginista» präsentiert das Zentrum Paul Klee die Ursprünge, Verstrickungen und Nachwirkungen der legendären Kunstschule, die 1919 in Weimar gegründet und 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. Entstanden ist die Schau in Zusammenarbeit mit der Kooperation Berlin Dessau Weimar, dem Goethe-Institut und dem Haus der Kulturen der Welt.

Anlass ist das 100-Jahr-Jubiläum des Bauhauses. Die Kuratoren Marion von Osten, Grant Wood und Fabienne Eggelhöfer betonen die von Anfang an gelebte Internationalität der Kunstschule.

Sie zeigen auf, in wie vielen Ländern – unter anderem in Indien, Japan und Marokko – ähnliche Ideen zeitgleich verfolgt wurden oder wie sich Bauhaus-Ideen durch Migration in die Vereinigten Staaten und nach Lateinamerika verbreiteten.

Das Zentrum Paul Klee übernimmt die Ausstellung, die zuvor unter anderem im Haus der Kulturen der Welt in Berlin gezeigt wurde. «Man denkt, alles sei über das Bauhaus erzählt worden. Doch diese Ausstellung eröffnet eine völlig neue, überraschende Sicht auf die globalen Verflechtungen», sagt Fabienne Eggel­höfer, Chefkuratorin am Zentrum Paul Klee.

Vom Manifest zum Teppich

Die Ausstellung ist in vier Kapitel gegliedert. Jedes beginnt mit einem «Ausgangsobjekt», welches das jeweilige Thema eröffnet. Im ersten Kapitel unter dem Motto «Corresponding With» kann man sich als Auftakt in das Manifest des Bauhaus-Gründers Walter Gropius einlesen.

«Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!», postulierte der deutsche Architekt. Künstler und Handwerker sollten nicht länger getrennte Kategorien sein, sondern es sollte eine neue Hand­werkerzunft entstehen.

Kein Wunder, war am Bauhaus das Interesse an vormoderner Volkskunst ebenso gross wie an Anthroposophie. Unter anderem von der britischen Arts-and-Crafts Bewegung inspiriert, wurde gewebt und getöpfert, mit Lichtkonzepten experimentiert und nach ursprünglichen «unakademischen» Formen gesucht.

Dass im Gründungsjahr des Bauhauses in Indien mit Kala Bhavan eine ähnliche Schule entstand, ist erstaunlich. In «bauhaus imaginista» werden die Parallelen anhand von Objekten und Texten aufgezeigt. Wie das Bauhaus war auch die indische Schule ein grosses Experiment. In Indien stellte man sich auch im Sinne der Dekolonialisierung gegen die akademische Lehre.

In Deutschland waren mit Paul Klee und Johannes Itten gleich zwei Berner dabei, die das Bauhaus stark geprägt haben. In jedem Kapitel gibt es zudem Werke von Gegenwartskünstlern zu sehen, die sich mit der Kunstschule theoretisch und ästhetisch auseinandersetzen.

Das ambitionierte Projekt liefert zwar neue Erkenntnisse, droht die Besucherinnen und Besucher aber auch zu erschlagen. Allzu viele Spuren in Vergangenheit und Gegenwart werden da gleichzeitig verfolgt. So richtig fassbar wird das Bauhaus nicht. Aber vielleicht ist dieser Mythos das auch nie gewesen.

«bauhaus imaginista»: Zentrum Paul Klee, Bern, bis 12.1. 2020

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