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Loebs Ja zur Gegenwart

Mit der Ausstellung «Liquid Reflections» präsentiert das Kunstmuseum Bern Werke aus der Anne-Marie-und-Victor-Loeb-Stiftung. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt in den ­experimentellen 60er-Jahren.

Das Ehepaar Loeb liess sich von Kunstgrössen wie Harald Szeemann zu seiner Sammlung inspirieren.
Das Ehepaar Loeb liess sich von Kunstgrössen wie Harald Szeemann zu seiner Sammlung inspirieren.
zvg

In den 60er-Jahren blickte die Kunstwelt nach Bern. Das lag vor allem am umtriebigen Kurator und Kunsthalle-Direktor Harald Szeemann (1933–2005). So liess dieser etwa die Kunsthalle von dem avantgardistischen Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude verpacken. Erstmals wurde ein ganzes Gebäude von den Verpackungskünstlern in Beschlag genommen.

Anne-Marie Loeb-Haymann und Victor Loeb standen in engem Austausch mit dem Kunstzampano und bauten ihre Sammlung von dessen Ausstellungen inspiriert auf. «Ja zur Gegenwart» lautete das Motto des Sammlerpaares.

Mit der Ausstellung «Liquid Reflections» präsentiert das Kunstmuseum Bern rund 60 Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen aus der 350 Werke umfassenden Sammlung.

Das Warenhaus Loeb macht zurzeit in seinen legendären Schaufenstern mit Diaprojektionen auf das Kunstereignis aufmerksam. 2005 übernahm Nicole Loeb in der fünften Generation die Führung des Familienunternehmens. Die Enkelin des Sammlerpaares ist auch Präsidentin der Loeb-Stiftung.

Ein Rundgang durch die Schau im Kunstmuseum offenbart den Geschmack der Sammler: kinetische Kunst, Minimalismus und ein Hauch Pop-Art bestimmen die Ausstellung. Kuratorin Marianne Wackernagel hat bewusst darauf verzichtet, die Druckgrafik miteinzubeziehen, und präsentiert die Exponate thematisch in Bereichen wie «Konstruktiv», «Weiss» oder «Pop».

Alles auf null

Im ersten Raum trifft man auf das titelgebende Werk der Ausstellung. Die 1939 geborene Ame­rikanerin Liliane Lijn schuf mit «Liquid Reflections» (1967) eine elektrische Installation aus Plexiglas. In einer zähen Flüssigkeit treiben Glaskugeln, die Glanzlichter in den Raum werfen. Die Arbeit ist ein typisches Kind ihrer Zeit: ein bisschen psychedelisch und vor allem bewegt.

Nach einem Bereich mit Farbfeldmalerei von Malern wie Josef Albers oder Johannes Itten dringt man zu dem monochromen Werken der Künstlergruppe Zero vor. Die Gründer Heinz Mack und Otto Piene wollten mit Zero ganz bei null anfangen und eine «Zone der Ruhe und Reinheit voller Möglichkeiten» schaffen. Der Berner Christian Megert gehörte ebenfalls dieser Bewegung an.

In der Loeb-Sammlung befindet sich sein «Weisses Bild» (1968), das aus einer Sperrholzplatte und arrangierten Spiegeln besteht. Mit Lucio Fontana und Piero Manzoni sind auch die wichtigen Italiener jener Zeit vertreten.

Diese suchten nach neuen Raumkonzepten. Fontana etwa, indem er seine Leinwände aufschlitzte oder mit «buchi» – Italienisch für Löcher – versah. Struktur und Geometrie sind in dieser Schau Trumpf. Komplett aus der Reihe tanzt der kunterbunte, groteske «Bienenwolf» (o. J.) des Berners Peter von Wattenwyl (1942– 2014).

Exot der Ausstellung: Peter von Wattenwyls «Bienenwolf». Bild: zvg
Exot der Ausstellung: Peter von Wattenwyls «Bienenwolf». Bild: zvg

Das figurative, grell bemalte Tier, das nur über ein Auge verfügt, wirkt in seiner Fantastik reichlich fremd zwischen den mehrheitlich eher zurückhaltenden Werken. Fast könnte man meinen, das Viech strecke der sich manchmal allzu ernst nehmenden Kunst der 60er- und 70er-Jahre die Zunge – oder ist es ein Rüssel? – heraus.

Ausstellung: bis zum 28. 1., ­Kunstmuseum Bern. www.kunstmuseumbern.ch

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