«Man wäre ja blöd, wenn man so etwas erwarten würde»

Es ist eine kleine Sensation: Erstmals seit 25 Jahren gewinnt mit Lukas Bärfuss ein Schweizer den renommierten Büchner-Preis. Hier spricht er im Interview.

Lukas Bärfuss ist nach Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und Adolf Muschg erst der vierte Schweizer, der den Georg-Büchner-Preis gewinnt. Foto: Esther Michel

Lukas Bärfuss ist nach Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und Adolf Muschg erst der vierte Schweizer, der den Georg-Büchner-Preis gewinnt. Foto: Esther Michel

Guido Kalberer@tagesanzeiger

Lukas Bärfuss, herzliche Gratulation zum Büchner-Preis!
Merci vielmal! Das ist unglaublich.

Haben Sie das erwartet?
Man wäre ja blöd, wenn man so etwas erwarten würde. Nein, ich bin total überrascht und begeistert und bewegt. In dieser Reihe der renommierten Autorinnen und Autoren zu stehen, macht mich schlicht fassungslos.

Seit 25 Jahren, als der Preis an Adolf Muschg ging, wurde kein Schweizer Autor mit diesem Preis ausgezeichnet.
Ja, ich bin nach Frisch, Dürrenmatt und Muschg der vierte Schweizer, der diesen Preis bekommt.

Sie sind nun auf dem Olymp der Literatur angekommen.
Ja, der Büchnerpreis ist ohnegleichen. Das ist eindeutig so. Ich kann jetzt noch gar nicht sagen, was das bedeutet; ich kann nur sagen, dass ich meine Bücher zwar alleine schreibe, aber nicht alleine mache. Es sind ganz viele Leute beteiligt beim Verlag und bei den Theatern – und es ist für uns alle eine grossartige Auszeichnung. Wir haben extrem «gchrampfet». Mit aller Leidenschaft und Begeisterung, mit viel Schweiss und immer wieder Tränen legten wir zusammen diesen Weg zurück. Für alle diese Leute freut es mich auch.

Im Unterschied zu einem Theaterstück schreibt man an einer Erzählung oder einem Roman eher einsam.
Das stimmt nur bedingt. Mein Lektor Thorsten Arendt ist absolut entscheidend, ich habe alle meine Bücher mit ihm gemacht; ebenso entscheidend ist mein Göttinger Verlag Wallstein, der für die Resonanz meiner Arbeiten sorgt.

Beflügeln Preise die Kreativität, oder können sie sie auch hemmen?
Ich wüsste nicht, wie sie das kreative Schaffen hemmen könnten. Das kann ich mir nicht vorstellen. Preise sind eine unglaubliche Anerkennung und Motivation; in ihnen steckt eine solch positive Energie.

Was bedeutet Ihnen der Namensgeber des Preises?
Das ist ganz, ganz wichtig für mich. Der Preis trägt den Namen eines politischen Flüchtlings. Eines Autors, der Exilliteratur verfasst hat, der in der Schweiz Asyl gefunden hat vor den Verfolgungen durch die hessischen Behörden. Die Literatur von Georg Büchner hat mein Leben verändert. Nach der Lektüre seiner Bücher war ich ein anderer Mensch. Das ist der Grund, weshalb es mich zusätzlich freut, dass ich den Preis bekomme.

Lukas Bärfuss live in Zürich: Lesung und Gespräch mit Térezia Mora, Mittwoch 10. Juli 2019, 20.30 Uhr, Alter Botanischer Garten Zürich. Tickets

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