Hanery war «wie ein musikalischer Vater»

Christian Häni, ehemaliger Frontmann von Scream, und Andreas Hunziker, ehemaliger Pianist von Plüsch, haben beide bis kurz vor Hanery Ammans Tod als Produzenten mit ihm zusammengearbeitet.

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Für Andreas Hunziker ist es sehr emotional, einen Freund gehen lassen zu müssen. «Noch letzten Donnerstag haben wir zusammen telefoniert», sagt Hunziker. Der frühere Pianist der Interlakner Mundartband Plüsch und heutige Tonproduzent kannte Hanery Amman seit 23 Jahren. Als er 15-jährig war, schrieb sein Vater Hanery einen Brief, in dem er ihn bat, seinem Sohn Klavierstunden zu geben. «Wir waren uns schnell sympathisch», erinnert sich «Hunzi», der Hanery Ammans einziger Klavierschüler blieb.

Andreas Hunziker (links) mit Hanery Amman im Tonstudio Shoom Room in Goldswil. Hier arbeiteten sie an Hanerys Instrumentalmusik. Bild: zvg

Sein Lehrer hätte ihm einfache Dinge beigebracht. Bassverschiebungen beim gleichzeitigen Beibehalten von Akkorden beispielsweise, ein Trick, den Hanery in vielen seiner Songs angewandt hat. Als Pianist war Amman für Hunziker prägend. «Ich habe viele seiner Sachen nachgespielt, seine Soli gelernt.»

Mitternächtliches Risotto

Noch zu Zeiten, als sich Plüsch VIP nannten und englische Coversongs spielten anstatt eigener Mundartpop, war Hanery Amman für die fünf Interlakner Teenager ein wichtiger Förderer. Er unterstützte die Band musikalisch – auf dem Song «Glücklech» des ersten Plüsch-Albums ist Hanery an den Tasten zu hören – aber auch kulinarisch, wie sich Hunziker erinnert: «Einmal, als wir im Studio arbeiteten, versprach er, vorbeizukommen und Risotto zu kochen.» Die Jungs warteten mehrere Stunden. Hanery, der Nachtmensch, kam am späten Abend; gegen Mitternacht war das Risotto gekocht.

Hunziker und Amman trafen sich fortan auch für Arbeiten zu zweit im Studio. Für den Film «Ein Mann von Schwarz und Weiss», ein Porträt des Interlakner Schriftsetzers Adrian Frutiger, produzierten sie 2005 den Soundtrack. Hanery spielte nächtelang Klavier, Hunziker schnitt die Aufnahmen zusammen. Das Duo harmonierte gut, die künstlerische Zusammenarbeit wurde über die Jahre beibehalten. Zuletzt für Hanery Ammans Instrumentalmusikprojekt.

Energie für die Musik

Dieses war für den verstorbenen Musiker ein «Herzensprojekt», wie Hunziker sagt. In den letzten Monaten hätte Amman in Hunzikers Shoom-Room-Studio in Goldswil so speditiv gearbeitet wie noch nie zuvor. «Bemerkenswert war auch seine Energie, sobald er sich ans Klavier setzte.» Obwohl Amman zuletzt kaum noch gehen konnte, schienen seine Beschwerden wie verflogen, sobald seine Finger mit den Tasten in Berührung kamen – fast so, als würde das Klavier Hanerys Liebe zur Musik erwidern.

«Hanery war für mich wie ein musikalischer Vater», sagt Hunziker. «Ich habe von ihm sehr viel gelernt.»

Gastauftritte bei Scream

Auch der Lauterbrunner Christian Häni kannte Hanery Amman seit über 20 Jahren. Mitte der 90er-Jahre hatte Hänis frühere Mundartrockband Scream im Goldenen Anker Interlaken einen Auftritt. Nach dem Konzert übergab ihnen René Sutter ein Album «Rumpelstilz live im Anker». Für Häni, der seit Jahren ausschliesslich in Mundart singt, war dies ein prägendes Ereignis.

Christian Häni (links) und Hanery Amman in Interlaken, wo sie an Neuaufnahmen von alten Rumpelstilz- und Hanery-Songs arbeiteten. Screenshot SRF

Später waren Scream als Vorgruppe von Polo Hofer unterwegs, auch Amman schaute zuweilen vorbei. «Es ging nicht lange, bis Hanery bei uns Gastauftritte hatte. So entstand eine tiefe Freundschaft.» Auch bei Screams allerletztem Konzert im Jahr 2009 – bezeichnenderweise im Goldenen Anker – spielte Hanery beim Song «Stets i Truure» mit.

«Haben uns immer gefunden»

Als Hanery Amman den Wunsch verspürte, alte Rumpelstilz-Klassiker und auch eigene Songs neu aufzunehmen, wandte er sich an Häni, der sich inzwischen einen Namen als Produzent gemacht hatte. «In den letzten 4 Jahren kam ich für dieses Projekt immer wieder nach Interlaken.»

Die Zusammenarbeit war fruchtbar, aber nicht immer ganz einfach: Häni war sich gewohnt, schnell und effi­zient zu arbeiten, während Hanery zeitintensiv jedes Detail pflegte. «Schliesslich machte ich ihn schneller und er mich geduldiger – wir haben uns immer gefunden.» Anfang Oktober waren die Aufnahmen fertig gemischt.

Humor und breites Wissen

Kurz vor Weihnachten hätte das Album fertig sein sollen. Dann kam Hanerys erneute Krebsdiagnose. Hanery blieb optimistisch, wie Häni erzählt. Am 23. Dezember besuchte er Amman im Spital Thun. «Geistig war er topfit, aber jede kleine Bewegung bereitete ihm Schmerzen.» Kurz darauf entliess sich Amman selber aus dem Spital. Er wollte Weihnachten zu Hause verbringen.

Am Abend des 30. Dezember wurde Hanery Amman im Alter von 65 Jahren von seinen Leiden erlöst. Christian Häni behält von ihm vor allem seinen Humor in Erinnerung – Hanery liebte es, Witze zu erzählen und zu erfinden – sowie sein Gefühl für Harmonien und Stimmungen in Songs, seine aufmerksame Neugier und sein grosses Herz. (Berner Oberländer)

Erstellt: 02.01.2018, 19:36 Uhr

O-Ton

«Interlaken hat einen berühmten und wichtigen Bürger verloren. Hanery brachte zusammen mit Polo Hofer Interlaken auf die Schweizer Musikkarte. Ich habe ihn als feinfühligen Menschen kennen gelernt.»
Urs Graf, Gemeindepräsident von Interlaken

«Hanery war ein gross­artiger Unterhalter, aber auch ein intelligenter, sehr belesener Mensch, mit dem man über fast alles philosophieren konnte.»
Der Goldswiler Videojournalist Fabian von Allmen, ehemaliger Mitarbeiter des «Berner Oberländers», hat Hanery Amman für einen Dokumentarfilm im Schweizer Fernsehen mehrere Jahre lang begleitet.

«Wir hatten uns noch gefreut, dass wir im Herbst wieder auf die Rock&Blues-Cruise gehen können. Jetzt bist du gegangen, Hanery – es tut mir weh.»
Bluesmusiker Philipp Fankhauser (auf Facebook)

«Einer der Grössten ist von uns gegangen. Wir beugen unser Haupt vor dir, Meister – deine Musik wird in uns ewig weiterleben.»
Georges «Schöre» Müller, Gitarrist der Berner Mundartrockgruppe Span (auf Facebook)

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