Blumen aus dem Wallis (und dem Breitsch)

Soundcheck

In Scharen traten die Schweizer Nachwuchshoffnungen in Bern auf. Auch eine Band ausser Konkurrenz gefiel.

Geradliniger, verdichteter Indie-Rock: Them Fleurs.

Geradliniger, verdichteter Indie-Rock: Them Fleurs.

(Bild: Julia Foster)

Sie seien nur wegen einer einzigen Band hier, versichern zwei junge Frauen an der Kasse und versuchen, den Eintrittspreis zu drücken. Dabei ist der mit 20 Franken für 23 Bands an einem einzigen Abend nicht überrissen. Ob die beiden Fans mit der «einzigen Band» Them Fleurs meinen, die das «Swiss Live Talents»-Festival eröffnen?

Ort des Geschehens: Der City-Pub in den früheren Räumen des Kinos City, der als Dreh- und Angelpunkt des Festivals funktioniert, neben den anderen Austragungsorten ISC, Kapitel Bollwerk, Turnhalle und Einspruch. Die Bühne im Pub befindet sich oberhalb des Bartresens, und die Musiker sind in luftiger Höhe aufgereiht – ein Geländer schützt sie vor dem Absturz. Zwei Minuten vor dem offiziellen Start legen Them Fleurs los. Das Quintett spielt einen geradlinigen, verdichteten Indie-Rock, ernsthaft, aber nicht angestrengt.

Sänger und Gitarrist Samuel Schnydrig trägt einen «Wish You Were Here»-Button an seinem Hoodie, doch eigentlich tönen Them Fleurs mehr nach den 90er-Jahren als nach Pink Floyd – und dabei durchaus eigenständig. Die Gitarren würden bestens in einen Soundtrack der Breitleinwandfilme passen, die hier früher gezeigt wurden, sie evozieren endlose Weite. Doch am meisten geht das Publikum mit, wenn die Leidenschaft durchbricht, das Tempo gesteigert wird und Samuel Schnydrig voll in die Saiten greift.

Nach dem 30-minütigen Showcase wollen die Leute Them Fleurs nicht schon ziehen lassen. Doch der Zeitplan ist strikt. Das «Swiss Live Talents»-Festival ist eine personalintensive Angelegenheit: Aus 800 Bewerbungen aus der ganzen Schweiz bestimmt eine über 30-köpfige, international besetzte Jury (Präsident: Philippe Cornu) eine Auswahl von 30 Nominierten in sieben Kategorien, die sich nun in Bern in einem Wettbewerb präsentiert.

Bei den Gewinnerinnen und Gewinnern tauchen einige der derzeit üblichen Verdächtigen wie der «Schweizer Joe Cocker» Marius Bear («Best Liveact») und die omnipräsenten Black Sea Dahu («Pop/Indie») auf. Ebenfalls in die Kränze kommen Alina Amuri, Billie Bird, Jessiquoi, Mama Jefferson und Muthoni Drummer Queen. Sehr erfreulich ist der hohe Frauenanteil bei den Ausgezeichneten, weniger Anlass zum Jubeln gibt es aus Berner Sicht. Wobei mit Jessiquoi eine Bernerin mit australischen Wurzeln ausgezeichnet wurde und der Appenzeller Marius Bear seine Karriere einst mit berndeutschen Liedern begann.

Und auf welchem Platz sind Them Fleurs gelandet? Auf gar keinem. Das Wallis ist der «Special Guest» der diesjährigen Ausgabe und Them Fleurs eine der drei Bands, die der Kanton ausser Konkurrenz an den Anlass schickt. Seit längerem wohnt ein Teil der Band allerdings im Berner Breitenrainquartier. So gesehen gehen Them Fleurs doch als Lokalmatadoren durch. Das richtige «Meitschi vom Breitsch» (Steff La Cheffe) ist übrigens beim Wettbewerb nominiert, sie tritt am Festival aber nicht auf.

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