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Der Fernweh-Sänger wird 80

Er singt wehmütige Lieder über Seemänner und soll in einer Bar in Hamburg entdeckt worden sein. Am Dienstag feiert der Schlagerstar Freddy Quinn einen runden Geburtstag.

Charmanter Entertainer: Freddy Quinn während eins Fernsehauftrittes. (Archivbild)
Charmanter Entertainer: Freddy Quinn während eins Fernsehauftrittes. (Archivbild)
Keystone

Kaum ein anderer Künstler hat die Sehnsucht nach der Ferne, aber auch das Heimweh so verkörpert wie Freddy Quinn. Maritime Folklore und wehmütige Lieder über einsame Seefahrer sind seit den 50er Jahren das Markenzeichen des in Österreich geborenen Sängers. Er soll einst in einer Bar im Hamburger Stadtteil St. Pauli entdeckt worden sein und betrachtet die Hansestadt als seine Wahlheimat. Zu seinem 80. Geburtstag am Dienstag wird es gleichwohl keine grossen Feiern oder Fernseh-Sondersendungen geben.

Quinn lebt schon seit Jahren sehr zurückgezogen und hat dem Bühnenleben abgeschworen. Noch immer gilt der musikalische Fachmann für fern- und heimwehgeschwängerte Melodien als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Solokünstler.

60 Millionen Tonträger hat Quinn, der die Bezeichnung Schlagerstar für sich stets ablehnte, verkauft. Seine melancholischen Lieder wie «Heimweh», «Unter fremden Sternen» und «Junge, komm bald wieder» wurden Grosserfolge. Daneben pflegte Quinn sein Seefahrerimage in Musikfilmen und Musicals, etwa «Heimweh nach St. Pauli».

Einen Namen machte sich Quinn darüber hinaus als Entertainer im Fernsehen. Gestützt wurde das Image des charmanten Künstlers mit der tiefen Stimme von einer abenteuerlichen Biografie. Details seines Lebensweges sind jedoch umstritten.

Künstliches Seemanns-Image

Der Sänger, der am 27. September 1931 im niederösterreichischen Niederfladnitz als Manfred Franz Eugen Helmuth Nidl geboren wurde, machte selbst widersprüchliche Angaben.

Nach Einschätzung des Journalisten Elmar Kraushaar, der kürzlich ein Buch über Quinn schrieb, liegt das auch daran, dass er einer der ersten deutschsprachigen Künstler war, den eine Plattenfirma systematisch zum Star aufbaute - inklusive einer massgeschneiderter Biografie, in der zwecks Vermarktung nicht alles stimmte.

Quinn selbst betonte zumindest, dass sein Seemanns-Image künstlich war und er es nie liebte. Man habe es ihm «verpasst», aber er sei dabei geblieben, weil sein Publikum es so haben wolle, sagte Quinn 1999 in einem «Zeit»-Interview.

In Zirkus und Fremdenlegion

An den Einzelheiten seines Lebenslaufs hielt er fest: Demnach wurde er als uneheliches Kind einer Österreicherin und eines irischen Kaufmanns geboren. Er lebte bei dem Vater einige Zeit in den USA, bevor ihn die Mutter zurückholte.

Weil sich Quinn, der später angeblich den Nachnamen seines Vaters annahm, mit dem Lebensgefährten der Mutter nicht verstand, riss er als Teenager am Ende des Zweiten Weltkriegs zu seinem Vater in die USA aus. Der aber war inzwischen gestorben. Über Umwege kam er zurück nach Wien und schloss sich als 16-Jähriger einem Zirkus an.

Dann schlug er sich als Musiker für US-Soldaten in Italien und Nordafrika durch, absolvierte ein Training bei der Fremdenlegion und landete schliesslich in Hamburg, wo er in einer Nebenstrasse der Reeperbahn in der «Washington-Bar» auftrat.

Nur angeblich ein Junggeselle

Ab Mitte der 50er Jahre machte Quinn Karriere. Seit den 70er Jahren wurde es ruhiger um den Sänger, wobei er noch bis 2004 auftrat. Ebenfalls 2004 wurde er wegen Steuerhinterziehung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Endgültig aus der Öffentlichkeit verabschiedete sich Quinn 2008.

In jenem Jahr starb seine Managerin und Vertraute Lilli Blessmann, mit der er jahrzehntelang verheiratet war - was der angebliche Junggeselle Quinn allerdings erst 2002 verriet. «Sie war mein guter Stern. Sie hat mich geführt», sagte Quinn nach ihrem Tod in einem Interview. Er habe «jetzt auch keine Lust mehr aufs Leben».

SDA/kpn

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