Der Nächste versucht es

Luca Hänni reist für die Schweiz an den Eurovision Song Contest nach Tel Aviv. Gut für ihn, schlecht für uns.

Ob Hänni mit «She Got Me» wird punkten können? Sein neu erschienenes Musikvideo. (7. März 2019) Video: Eurovision Song Contest/Youtube

Dieses Mal gab es keine aufgeregte Vorentscheidungsshow – nicht in der Bodenseearena in Kreuzlingen, nicht im TV-Studio im Leutschenbach. Sondern der Schweizer Beitrag für den diesjährigen Eurovision Song Contest wurde in aller Stille von einer Fachjury sowie von einem 100-köpfigen Publikums-Panel erkoren. Was diese 120 Menschen aus den 420 Einsendungen ausgewählt haben, ist ein Song von einem Gesicht, das in der Welt der Casting-TV-Shows bestens bekannt ist. Das Gesicht gehört Luca Hänni, dem mittlerweile 24-Jährigen aus der Berner Gemeinde Uetendorf. 2012 gewann Hänni in der RTL-Sendung «Deutschland sucht den Superstar», und er blieb in Erinnerung mit einem makellosen Siegerlächeln und einer Bravheit, die niemandem wehtut und niemanden erschüttert.

«She Got Me» heisst nun der Song, den Luca Hänni in Tel Aviv vortragen darf – sehr zu seiner Freude: «Auf einer so gigantischen Bühne euphorische Fans in der Halle und Millionen Zuschauende zu Hause vor dem Bildschirm zu begeistern, ist definitiv ein Lebens-Highlight», gab Hänni in einer SRF-Medienmitteilung zu Protokoll. Die Vorfreude ist dem netten Mann zu gönnen, denn mit ihm reist eine Person nach Israel, die zumindest im deutschsprachigen Raum wohlbekannt ist. Man versuchts also wieder einmal mit dem Promi-Faktor, was 2007, als DJ Bobo im Halbfinal krachend scheiterte, schiefgegangen ist.

Allzu optimistisch sollte man die Finalchancen der Schweiz trotz dem zugkräftigen Namen auch dieses Jahr nicht einschätzen: Denn der Song ist eine popmusikalische Dutzendware, die gänzlich ohne Humor auskommt, was am ESC, der immer auch von einer gewissen Exzentrik lebt, nur sehr selten gut ankommt.

Lieber singt Luca Hänni reichlich unbedarft von einer Frau, die mit ihrem «body» spricht – und so «naughty» tanzt, bis es ihn erwischt. Im Refrain heisst es dann: «Oh, she knows she got me dirty dancin'.» Und während Luca Hänni «dirty» tanzt, gibt eine synthetische Schalmei den Ton an.

Luca Hänni ist jedenfalls begeistert von dem Song, der in einem Songwriting-Camp entstanden ist: «Mit ‹She Got Me› werde ich die pure Lebensfreude und die Leidenschaft für Tanz und Musik mit dem ganzen Publikum teilen», sagt er im SRF. Wie es ihm auf der grossen Showbühne ergehen wird? Man wird es am 16. Mai sehen, wenn Luca Hänni seinen Halbfinal absolviert.

«Ich bin sehr stolz und fühle mich geehrt»: Luca Hänni im Interview mit «20 Minuten».

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