Die DNA des Berner Rock

Soundcheck

Stefan W. Müller ehrte in der Mahogany Hall den verstorbenen Pianisten Hanery Amman.

Mit Stefan W. Müller von Rock zu hymnischer Entrücktheit.

Mit Stefan W. Müller von Rock zu hymnischer Entrücktheit.

(Bild: Samuel Mumenthaler)

Keiner hat die Pianoläufe des 2017 verstorbenen Hanery Amman so intensiv studiert wie Stefan W. Müller, der langjährige Pianist von Span. Zusammen mit Ammans einstiger Band Rumpelstilz prägte Span in den 1970er-Jahren den Berner Mundartrock. Als vor einem Jahr die Berner Szene dem ebenfalls abgetretenen Polo Hofer mit einigen Konzerten die Reverenz erwies, sprang Stefan W. Müller kurzfristig für den ausgefallenen Pianisten H.P. Brüggemann ein. Er er­ledigte seinen Job bravourös und entschlüsselte in kürzester Zeit die DNA des Berner Rock – vor allem die musikalischen Schwelgereien von Hofers Sparringspartner Amman, der oft ausschliesslich auf den schwarzen Tasten spielte.

Nun ist Müller mit einem abendfüllenden Hanery-Amman-Programm unterwegs. Kein einfaches Unterfangen: Denn Hanery war nicht nur ein inspirierter Tastenmann, sondern eine eigenwillige und launige Persönlichkeit, die sich mit Haut und Haar in die Musik gab und der man Charisma zuschreiben konnte. Einfach nachspielen geht da nicht.

So entschied sich Müller für einen anderen Weg: Er interpretiert Hanerys Songs und Pianomelodien so, als wären es seine eigenen. Während Amman der Pianist im Stil eines Elton John war, ist Müller ein Meister des Rhythmus, der sich stark an Pianolegenden wie Professor Longhair aus New Orleans orientiert. Das Zusammenführen dieser beiden Kulturen funktioniert grösstenteils und bewahrt Müller und seine Musiker davor, einfach eine weitere Coverband zu sein.

Stefan W. Müller wird auf seiner Hommage-Tour von einem Teil der originalen Hanery-Amman-Band begleitet: Der stoische Drummer Cäsar Kaiser verzieht keine Miene, doch er legt einen groovigen Rhythmusteppich aus, eng verflochten mit den pumpenden Tieftönen von Jean-Pierre Berchier.

Die Rolle des Frontmanns und Gitarristen übernimmt Christian Dietz. Er hat einen anstrengenden Job: Mal singt er sich durch eine Serie von Rumpelstilz-Klassikern, übernimmt dann die Gitarrenparts von Meister Schifer Schafer und wechselt fliessend zu den kryptischen Songs von Ammans Spätwerk. Der Bogen von unverfälschtem Rock zur hymnischen Entrücktheit ist weit, dem «Chopin des Berner Oberlands» gerecht zu werden, eine Herausforderung.

Die Band wirkt denn auch zu Beginn des gut besuchten Konzerts in der Mahogany Hall etwas angespannt. Je mehr sie sich von den Originalen löst und wirklich mit Hanerys Vermächtnis zu spielen beginnt, desto mehr überzeugt sie. Nicht immer scheint die Songauswahl zwingend für einen Amman-Abend, doch der Geist von Hanery und «seinem» Sänger Polo Hofer lebt an diesem Abend wieder auf.


Nächstes Konzert: 17.1.2020, Bären, Münchenbuchsee.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt