Die graue Welt von Iwan Petrowitsch

Die Rapband Iwan Petrowitsch überzeugt mit schwermütigem Sound. Am Mittwochabend feiert sie ihre Plattentaufe im Rössli.

Sie rappen von Fernweh und grauem Alltag:  Rouze, Malek und Juri (v.l.) bilden die Band namens Iwan Petrowitsch.

Sie rappen von Fernweh und grauem Alltag: Rouze, Malek und Juri (v.l.) bilden die Band namens Iwan Petrowitsch.

(Bild: Janosch Abel/zvg)

«Nullpunkt», «Schwarzi Tinte» und «Du hesch mis Läbe ruiniert». Die Musik von Iwan Petrowitsch klingt so schwermütig, wie es die Titel ihrer Alben vermuten lassen. Die drei Berner Juri, Malek und Rouze rappen auf ihrem neusten Werk über Fernweh, den grauen Alltag in der Schweiz und über die Jugend, bei der sie den revolutionären Geist der 1968er-Generation vermissen. «U mir spränge ds Mosaik, boues erneut uf», fordert Malek mit bürgerlichem Namen Marc-Alain Mathis im Song «Holunderblüetesirup.»

Auf Tour mit Lo&Leduc

Heute Abend feiert Iwan Petrowitsch im Rössli in der Reitschule die Plattentaufe des Albums «Du hesch mis Läbe ruiniert», das im November erschienen ist und das wie seine Vorgänger im Internet kostenlos zur Verfügung steht. Bei Iwan Petrowitsch produziert Valentin Rösler alias Rouze die Beats, Malek und Juri sind die für die Texte und den Sprechgesang verantwortlich.

Seit ihrem ersten Release 2011 hat sich die Band einen Namen gemacht. 2013 gewann sie den Swiss Hip Hop Music Award, vergangenes Jahr setzte sie sich beim Waldbühne-Contest durch und sicherte sich einen Auftritt am Gurtenfestival. Im Herbst tourte das Trio zudem als Vorband von Lo&Leduc durch die Schweiz. Iwan Petrowitsch zeichnet in seinen Liedern ein düsteres Bild der heutigen Zeit, trotzdem verzichtet die Band auf Parolen oder Schuldzuweisungen: «Wir wollen der Gesellschaft den Spiegel vorhalten, ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen», sagt Juri Mischler alias Juri. Und Malek fügt an: «Unsere Songs enthalten viel Selbstironie.» So entdecken die beiden an sich Facetten des Bünzli, den sie in ihren Liedern kritisieren.

Bünzlig ist auf den zweiten Blick auch der Name der Band, der übersetzt Hans-Peter laute. Iwan Petrowitsch ist der Name eines russischen Mannes, den die drei während einer durchzechten Nacht auf dem Waisenhausplatz getroffen haben und mit dem sie durch die Stadt gezogen sind.

Vom Indie-Rock zum Hip-Hop

Viele Jahre vorher hat sich das Trio kennen gelernt: auf dem Pausenplatz des Muesmatt-Schulhauses, wo sie zur Schule gingen. Seit 2008 besteht Iwan Petrowitsch in der heutigen Formation. Zuvor legten die Musiker ganz unterschiedliche musikalische Wege zurück. Juri spielte in einer Indie-Rock-Band, Malek machte Techno. «Ich war ein grauenhafter Bassist», sagt Juri. «Und ich ein grauenhafter Sänger», ergänzt Malek. So landeten schliesslich beide beim Hip-Hop.

Im Moment arbeitet die Band an ihrem ersten kostenpflichtigen Album, das spätestens Anfang 2016 erscheinen soll. «Das Album wird das Beste, was der Schweizer Rap in einem Jahr zu bieten hat», sagt Juri selbstbewusst.

Berner Zeitung

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