Die Heimat als Echo

Die Walliser Musikerin Laurence Revey macht Musik, die kaum fassbar und doch geerdet ist – zwischen Pop, Jazz und Volksmusik. Am Mittwoch tritt sie im Berner Bee-Flat auf.

Laurence Revey ist mehr Schlangenbeschwörerin als Elfe.

Laurence Revey ist mehr Schlangenbeschwörerin als Elfe.

(Bild: Serge Hoeltschi)

Es ist ganz schön mutig, einen Song zu covern, der schon David Bowie und Kurt Cobain über die Lippen ging. Doch Laurence Revey lässt sich von Ikonen der Popmusikgeschichte nicht einschüchtern.

Gleich zweimal – als Studio- und als Liveversion – packte die Walliserin «The Man Who Stole the World» auf ihr aktuelles Album. Der Song, von Bowie geschrieben und später von Nirvana gecovert, klingt bei Revey düster, abgeklärt. Und doch ist da etwas Leichtes in diesem fast gehauchten Gesang und in diesem markanten Bass, der von zarten elektronischen Einsprengseln aufgelockert wird.

Schlangenbeschwörerin

Laurence Revey breitet sich mit ihrer Stimme nicht nur locker über fast vier Oktaven aus, sie kombiniert auch Sprachen und Stile, als wären es Eissorten. «Elfe aus dem Wallis» wird sie gern genannt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Manchmal singt sie beissend hoch, und es klingt mystisch, wie sie ihre eigene Stimme mithilfe eines Loopgeräts mit sich selbst überlagert. Immer wieder. Manchmal klingt sie wild und ungestüm, pfeifend auf Hörerwartungen. Das ist keine Elfe, nein. Das ist eine Schlangenbeschwörerin.

Die Sängerin wuchs im Unterwallis auf und absolvierte später in Paris eine Schauspielausbildung. Danach studierte sie in Genf und Lausanne Operngesang. Es zog sie nach New York und nach London, wo sie 1997 ihr erstes Album «Derrière le miroir» aufnahm.

«Elfe aus dem Wallis», wird Laurence Revey gerne genannt.

Darauf mischte sie Volkslieder mit Pop und Elektronik, gespickt mit jazzigen Eigenkompositionen. Das war neu, und es erregte sofort Aufsehen. Sie reiste um die Welt und arbeitete mit namhaften Musikern aus der Elektronik- und der Jazzszene zusammen, darunter auch der famose norwegische Trompeter Nils Petter Molvær und dessen Landsmann Bugge Wesseltoft.

Archaik und Poesie

Obwohl sie schon längst nicht mehr im Wallis lebt, hat Laurence Revey ihre Heimat nicht vergessen. Sie hallt in ihrer Musik bis heute nach, wie ein Echo. Traditionelles verbindet Revey mit Jazz und Rock, singt im fast ausgestorbenen Walliser Dialekt Patois – einer Mischung aus Französisch und Latein – und verbindet Archaik mit Poesie.

Damit kommt sie nun endlich, nach über zehn Jahren, wieder nach Bern. Und präsentiert hier erstmals ihr aktuelles, 2016 erschienenes Album «Alpine Blues & Blues des Alpages», das sie wie immer mit einer internationalen Schar von Musikern eingespielt hat.

Neben dem Bowie-Song finden sich noch weitere Cover auf der CD, etwa das wunderbar sanfte afrikanische Lied «Makambo», aber auch Eigenkompositionen wie «Stay»: Das Stück mäandert zwischen Pop und Dada, mit einem stampfenden, erdigen Rhythmus, mit hellem Gesang und betörender Verträumtheit.

Auch «Stay» wird – mit englischen Einsprengseln – in Patois gesungen. Warum Laurence Revey in einer Sprache singt, die sie selbst nicht spricht und die kaum jemand versteht? Da ist er wieder, der Unterschied zwischen einer Elfe und einer Schlangenbeschwörerin.

Live: 17. 10., 19.30 Uhr (Türöffnung), Bee-Flat im Progr, Bern.

Berner Zeitung

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