Die Soundtüftler und ihre elektronische Tanzkompanie

Bern

Drei Musiker, unzählige Effekt-Geräte und ein Miniatur-Tanzensemble aus Pappe: Inside the Baxter Building machen elektronische Echtzeitmusik und stellen am Donnerstag an ihrem zweiten Labor-Konzert in Bern ihr «Tableau Vivant» vor.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Die drei Tische, angeordnet in einem Halbkreis, sind überstellt mit den verschiedensten Effekt-Geräten, Laptops, Tablets und iPhones, dazwischen ein regelrechter Kabelsalat. Auf dem Boden steht eine kleine Kunstinstallation aus Metall und Pappe mit vier Figren – beleuchet von vier Scheinwefern –, davor eine hüfthohe weisse Leinwand.

Mit einem leichten Stoss in seine Posaune gibt Simon Petermann den Auftakt. Sein Ton wird durch eins der zahlreichen Effekt-Geräte geschickt und eröffnet augenblicklich eine neue Klangwelt. Kurz darauf schaltet sich der Soundkünstler Fabian Gutscher mit einem feinen Beat ins musikalische Geschehen ein. Samuel Würgler antwortet den beiden mit einer kurzen Tonabfolge auf seinem Flügelhorn.

Gleichzeitig mit der Musik kommen auch die kleinen Figuren der Kunstinstallation, genannt «Tableau Vivant», in Bewegung und werfen ein buntes Schattenspiel auf die Leinwand. «Die Figuren reagieren auf die Lautstärke und die Frequenz», erklärt Gutscher. Welches Instument welche Figur zum Tanzen bringt, können die Musiker via iPhone steuern.

Erweiterung der Instrumente mit Effekten

Elekronische Echtzeitmusik nennt sich der experimentelle Sound von Inside the Baxter Building. 2013 haben sich die beiden Musiker und der Soundkünstler zusammengeschlossen und gaben rund einem Jahr an der Jazzwerkstatt im Progr in Bern ihr erstes Konzert.

«Bei diesem Projekt steht vor allem die Erweiterung unserer Instrumente durch analoge und digitale Effekte im Vordergrund», erklärt der Posaunist Petermann. «Wenn ich an einem Jazzkonzert Posaune spiele, spiele ich einfach Posaune. Aber heute in der Probe habe ich einmal mehr einen Sound erzeugt, den ich vorher so noch nie gespielt habe.»

So wird bei Inside the Baxter Building grösstenteils improvisiert. «Wenn wir all die Knöpfe zählen würden, die wir betätigen können, um unsere Klänge zu manipulieren, kämen wir auf eine siebenstellige Zahl», sagt Würgler. Als sie angefangen haben, zusammen Musik zu machen, sei es vor allem darum gegangen herauszufinden, welcher Sound zusammenpasst und wie die einzelnen Passagen gestalten werden können.

Grafische Notation

Für die Studioaufnahmen ihres Albums, das im Spätsommer erscheint, sind die drei jedoch nicht darum herumgekommen, ihre Musik auf einem Notenblatt festzuhalten (siehe Bilderstrecke). Was für einen Laien wie die Skizze einer Berglandschaft mit Wolken und einem Ufo anmutet, ist eine alternative Art, Musik auf Papier festzuhalten. Diese wurde im 20. Jahrhundert entwickelt. «Auch wenn wir uns nicht genau an die Vorschriften gehalten haben», so Würgler.

Die improvisierte elektronische Musik kam bereits in den 60er Jahren auf, erzählt Gutscher. «Die Szene ist jedoch nach wie vor eher klein». So suchen die drei Musiker mit ihrem Projekt auch nicht die ganz grossen Bühnen. Mit ihrer Work-In-Progress-Konzertreihe im Berner Künstlerhort Hauptsitz stellt das Trio drei seiner Arbeitsprozesse vor. Am Donnerstag findet das zweite dieser sogenannten Labor-Konzerte statt. Dort präsentieren sie zum ersten Mal das «Tableau Vivant», das Gutscher an der Zürcher Hochschule der Künste selber konzipiert und gebaut hat.

Für die grafischen Formen der Figuren habe er sich von den Möglichkeiten des daraus resultierenden Schattenspiels inspirieren lassen, so Gutscher. «Das Ganze hat sehr schnell etwas Narratives. Ja, es ist wie meine kleine elektronische Tanzkompanie».

Inside the Baxter Building, Labor 2: Donnerstag um 20 Uhr, Der Hautpsitz, Grabenpromenade Bern. insidethebaxterbuilding.ch

Berner Zeitung

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