Genau hinhören!

Aufgefallen: Charlie Cunningham, der am Dienstag am Paléo-Festival in Nyon auftritt.

Quelle: Youtube.com/Charlie Cunningham

Nein, er ist nicht der spektakulärste Act im Programm des morgen Dienstag beginnenden Paléo-Festivals in Nyon, wo sich bis Sonntag Stars wie The Cure, Lana Del Rey, Stephan Eicher oder Patrick Bruel die Klinke in die Hand geben. Dafür ist Charlie Cunninghams Sound zu feinsinnig, zu wenig auf den schnellen Effekt ausgerichtet.

Aber wer denkt, der Brite sei bloss ein weiterer dieser sensitiven Singer-Songwriter, die auf der Gitarre sanft sehnsüchtige Lieder schrammeln, sollte besser genau hinhören. Das manifestierte sich schon mit Cunninghams Debut «Lines», erschienen 2017. Und das zeigt sich nun noch deutlicher auf dem aktuellen Zweitling «Permanent Way».

Charlie Cunningham. Bild: PD

«You can do what you want, but I’m making my own way», singt Cunningham im Titelstück über einem pulsierenden Rhythmus. Sein eigener Weg führte den einstigen Gitarristen in Hardcore- und Indierock-Bands vor einiger Zeit nach Sevilla, wo er zwei Jahre lang blieb und – inspiriert vom Flamenco – einen ganz eigenen Stil auf der akustischen Gitarre entwickelte. Es ist dieses charakteristische Spiel, das Songs wie «Don’t Go Far» ebenso mitprägt, wie Charlie Cunninghams unaufgeregte und doch jederzeit einnehmende Stimme. Immer wieder kreiert der Wahl-Londoner Soundlandschaften, die bei genauem Hinhören eine Sogwirkung erzielen. Mit traurigen Pianoklängen in «Hundred Times». Mit einer Dynamik, die in «Force of Habit» vom stillen Beginn zu einem eindringlichen, mitreissenden Breitleinwand-Arrangement reicht. Mit dem düsteren «Bite» und Songzeilen wie «Cut you open then you’ll see poison in your blood».

Es sind intime, vielschichtige Lieder, es sind Melodien und Stimmungen, die haften bleiben, wenn die letzten Töne längst verklungen sind. Die Berechenbarkeit so vieler Singer-Songwriter geht Charlie Cunningham ab. Genau deshalb ragt seine Musik aus der Pop-Masse heraus, ohne dass er dafür ein Spektakel veranstalten muss. «Cause there’s doors to open still in your mind, you’ve got places that you still need to find», singt Cunningham in «Sink In». In diesem Sinne ist sein zweites Album «Permanent Way» auch ein Versprechen: Dass er selber immer wieder neue Orte findet, neue Türen in seinem Geist öffnet. Und uns so weitere musikalische Perlen entdecken lässt, die bei aller Melancholie vor allem eines sind: herzerwärmend.

Charlie Cunningham: «Permanent Way», Infectious/BMG. Live: 27. Juli Paléo Festival Nyon. 8. Oktober im Les Docks, Lausanne. 9. Oktober im Mascotte, Zürich.

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