Hochprozentiges für Geniesser

Slam & Howie hatten genug und gönnten sich eine Auszeit. Jetzt sind Berns Cowpunks frisch ausgeruht mit dem neuen Album «Firewater» zurück. Ruhe? Von wegen! Der Lärmpegel ist beträchtlich.

Melden sich mit neuem Album zurück: Die Berner Cowpunks Slam & Howie and the Reserve Men.

Melden sich mit neuem Album zurück: Die Berner Cowpunks Slam & Howie and the Reserve Men. Bild: Black Pike Favorites, PD

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Langsam scheint man sich auch in unseren Breitengraden ein kleines bisschen an die USA unter Donald Trump zu gewöhnen – wenn auch nur widerwillig. Auf den sozialen Netzwerken werden jedenfalls im Moment zahlreiche Feriengrüsse von ennet dem Teich verbreitet. Die lauten Boykottankündigungen von gerade noch sind leiser geworden. Nicht alle Botschaften der Schweizer Wildwestler sind privat.

Da ist zum Beispiel das Video der Berner Band Slam & Howie zum neuen Song «Once We Get There», neulich gedreht in den USA, irgendwo zwischen Arizona und Tennessee. Zu Beginn steigt Bandleader Sandro «Lt. Slam» Lamparter aus dem Schaum der Meeresfluten wie einst die weltberühmte Ostermundigerin Ursula Andress (allerdings mit deutlich mehr Tuch am Körper).

Dann führt einen das Video über endlose Highways durch zer­klüftete Canyons, saftige Prärien und ausgedorrte Wüstenlandschaften. «Kürzlich im grössten Land der Welt», lautet Lamparters Herkunftsangabe zu den eindrücklichen Bildern. Was ihm prompt einen tadelnd-korrekten Onlinekommentar einbrachte. «Locker bleiben und den ironischen Unterton nicht überlesen», lautete Slams Replik.

Immer auf Achse

(Selbst-)Ironie war schon immer eine Stärke von Slam & Howie. Ohne diese Eigenschaft hätten sie ihren amerikalastigen Speed Country und die Western-Outfits und Sam-Hawkins-Bärte auf die Dauer wohl selber nicht ver­kraftet. Doch mit blossem Augenzwinkern liessen es die Berner Cowpunks nie bewenden. Als Liveband sind sie kaum zu schlagen, Musik ist für sie mehr als nur Attitüde. Während sich andere über eine Fünfkonzertetour durch Bern und Umgebung freuten, spulten Slam & Howie and the Reserve Men auf ihren Touren Tausende Kilometer in ganz Europa ab, ohne nachzugeben.

Immer auf Achse, nie auf den Felgen: Das war das Motto der 2006 gegründeten Band. Doch ­irgendwann machten sich un­weigerlich Abnützungserscheinungen bemerkbar. Zehn Jahre mit Hunderten von Konzerten lassen sich nicht einfach weg­stecken. Eine Auszeit war un­vermeidbar, wenn man nicht endgültig den Stecker ziehen wollte.

Rockiger als auch schon

Slam fuhr von der Haustüre bis in die Mongolei und zurück, Boris The Spider wirkte mit seiner Gitarre bei Stiller Has und Ross the Red, der dritte Saitenkünstler im Bund pflegte seinen roten Bart.

Es kracht deutlich rockiger als auch schon, aber auch eine Spur stoischer.

Jetzt ist die Band wieder am Start und legt das neue Album «Firewater» vor. Nomen est omen: Hier wird Hochprozentiges für Slow-Drink-Gourmets serviert. Es kracht deutlich rockiger als auch schon, aber auch eine Spur stoischer. Messerscharf fräsen sich die Gitarren durch die Verstärkerboxen, schorfige Riffs und Rolling-Stones-Schlenker reiben sich an wuchtigen Drumbeats. Der Lärmpegel ist durchwegs beträchtlich. Aufregung allerdings steht nicht auf der Menükarte von Slam & Howie.

Die Gitarristen beweisen Mut zur Lücke und setzen ihre Akzente punktgenau. Slam singt seine Songs über Auf- und Ausbrüche, Heimsuchungen und Heimkommen, über das eigene Altern und den Tod seiner musikalischen Helden mit der Gleichmut des Geerdeten, der immer dann weiterreist, wenn sich im Nest, in dem er abgestiegen ist, der «High Noon» ankündigt.

Auch als Kassette

Wenn es eine Chance zum Unterwegssein gibt, dann packen Slam & Howie sie. Doch vorerst sind den nächsten Monaten auch zahlreiche Konzerte in der Region angesagt, um das Album, von dem es übrigens nicht nur CD und Vinyl, sondern auch eine Musikkassette gibt, zu promoten.


Slam & Howie:«Firewater», Wanted Man Recordings. Nächste Konzerte in der Region:24. 11., Mühle Hunziken, 30. 12., Rössli, Bern.
(Berner Zeitung)

Erstellt: 11.10.2018, 12:08 Uhr

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