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James Blunt: Hauptsache Händchenhalten

In der ausverkauften St. Jakobshalle in Basel raspelte James Blunt viel Süssholz – ohne Lust auf Experimente.

Am Anfang steht das Scherzchen: «Fasten your bottom», den Hintern anschnallen, heisst der Rat, den James Blunt den Anwesenden via Videoleinwände auf den Konzertweg gibt. Wie ein Popstar wirkt der Brite nicht, wie er da in seinem grauen Anzug, schwarzem Schlips, mit weit aufgerissenen Augen und widerspenstigen Haaren steht. Eher wie Struwel-James, der nicht recht weiss, wie ihm geschieht.

Er habe sich schon wieder verloren, singt Blunt im ersten Song «Breathe». Das soll den 9000 Zuschauern sagen: Hier ist ein Melancholiker am Werk. Seine akustische Gitarre schunkelt Blunt im Takt rauf und runter, ganz so als ob sie für ihn mehr Accessoire denn Instrument wäre. Seine stärkste Waffe ist zweifelsohne seine wimmernde Falsettstimme. Das klingt bisweilen wie bei einem Welpen, der um Aufmerksamkeit heischt und sich nichts sehnlicher als Geborgenheit wünscht.

Immer sachte und überlegt

Der 34-Jährige ist ein Vertreter des Nettklangs, Lieder wie «Billy» oder «High» umscheicheln die Gehörgänge mit einfach gestrickten Melodien, die zum Händchenhalten animieren. Das Rezept ist stets dasselbe: eine Prise Pathos und eine Prise Schunkelseligkeit, abgerundet mit viel – sehr viel Süssholz. Wie auf seinen beiden Studioalben geht Blunt auch live keine Wagnisse ein und bleibt fast immer auf sicherem Popgelände, fern von Abgründen. Selbst wenn der Abgänger des Eliteinternats Harrow das Tempo erhöht, geschieht das ausschliesslich sachte und überlegt. Bloss keine Spontaneität, keine Kapriolen. Das spiegelt sich im Auftreten der vierköpfigen Begleitband wider: solide – aber einen tieferen Eindruck vermag das Quartett nicht zu hinterlassen. Es erhält auch nie die Chance dazu.

Ein bisschen Show muss sein, sagt sich Blunt . Und rennt – sich selbst feiernd – durchs mehrheitlich weibliche Publikum, gefolgt von zwei Bodyguards. Sicher ist sicher. Augenscheinlich geniesst der Absolvent der renommierten britischen Militärakademie Sandhurst das Bad in der Menge. Es führt ihn vorübergehend auf eine zweite Bühne, die aus dem Zuschauerraum hochfährt. Piano inklusive. Sinn und Zweck? Die Message lautet, dass Blunt einer ist wie wir. Nur ein wenig erfolgreicher und mit Liedern im Gepäck, die ihn möglichst noch erfolgreicher machen sollen.

«I Really Want You» plündert mit seinen an die Spice Girls erinnernden Refrain ebenso die Popmottenkiste wie «Give Me Some Love», das sich bei Gitarrenmotiven der Beatles bedient. Blunt ist ein Handwerker, der Gebrauchssounds herstellt, die bereits in den 70er-Jahren nicht mehr völlig taufrisch waren.

Trauer, Wut und Leid

Selten gelingt es ihm, etwas zu kreieren, das mehr als Einheitsware ist. Nebst seinem Hit «You're Beautiful», einer Trennungsballade fast erster Güte, trifft dies vor allem auf «No Bravery» zu. Darin verpackt der ehemalige Soldat seine Kosovo-Erfahrungen. «Damals hatte ich noch einen echten Job», erzählt Blunt den Zuhörern. Und plötzlich ist die Dringlichkeit da, die man dem Künstler sonst nicht attestieren kann. Trauer, Wut und Leid packt der Sänger in das Stück und hämmert die Bilder aus seiner Vergangenheit in die Klaviertasten. Das berührt. Weil es glaubhaft ist und nicht wie Blunts anderes Material einzig geschrieben, um der Masse zu gefallen. Der Engländer hat also Potenzial. Es auszuschöpfen scheint ihm weniger wichtig.

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