Kleinkunsttag mit Sahnehäubchen

Zum Schweizer Kleinkunsttag servierte das Thuner OK um Präsident Hans-Ueli von Allmen an sieben Spielorten im 30-Minuten-Takt bezaubernde, beseelte und belustigende Bühnenmomente.

Das Duo Calva, ­bestehend aus Alain Schudel und Daniel Schaerer, spielte am Kleinkunsttag im Freienhof.

Das Duo Calva, ­bestehend aus Alain Schudel und Daniel Schaerer, spielte am Kleinkunsttag im Freienhof.

(Bild: Christina Burghagen)

Das Kinderlied «Alle meine Entchen . . .» war gestern. Die Power-Folk-Formation Rahmzueschlag aus Bern amüsierte gestern Vormittag hinterm Rathaus auf lüpfige Weise ihr junges Publikum mit «I be es Änteli, und i be no chly» oder sang lautmalerisch stark von dankbaren Krähen, die von der Flinte verschont bleiben.

Bandleader Novo (Gitarre, Gesang), Michael (Violine, Gesang), Thom (Schlagzeug, Cajon), Sägi (Bass) und Karin (Piano, Gesang) können getrost als Sahnehäubchen der Mundartbands bezeichnet werden, wie das lebhafte Publikum mit Tanzeinlagen und schun­kelseligem Mitmachen bestätigte.

Derweil zauberte sich Magier Maximilian die Seele aus dem Leib, während die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert die Fragen des Profis lauthals beantworteten. Mit flinken Fingern präsentierte er ­Zauberklassiker wie Seiltricks oder Hütchenspiel. Der Zauberer geizte nicht mit flotten Sprüchen: «Das ist meine Kartenrateschlange», liess der Schwarzberockte wissen und zog eine Plüschschlange aus einem Korb, was einigen kleineren Zauberschaugästen einen kurzzeitigen Schreck einjagte, bis sie das Kuscheltier realisierten.

Die Schlange hat «kei Ahnig!», spricht aber fliessend Berndeutsch. Im Publikum waren jene zahllosen Kindergesichter auszumachen, die mit entrücktem Blick und vor Staunen offenem Mund der nostalgischen Show gebannt folgten. Der Theaterpädagoge, Lehrer und Zauberkünstler heisst im wirklichen Leben Christoph Walt. Er ging schon mit dem Circus Knie und dem Circus Monti auf Tour.

Alain Schudel und Daniel Schaerer bilden das Duo Calva, das sich der Cellocomedy verschrieben hat. Die Liebe zur Musik, beide sind ausgebildete Cellosolisten, und die Freude an pädagogischer Arbeit mit Orchestern sowie im Einzelunterricht weisen sie als Vollblutmusiker aus. Im ersten Stock des Freienhofs begrüsste das Duo die Kinder mit: «Wer ist freiwillig hier? Wer ist gezwungen worden?»

Lautes Gelächter schlug ihnen entgegen angesichts der aussergewöhn­lichen Schulveranstaltung. «Erklär mal, was ein Cello ist!», forderte Alain Schudel seinen Partner auf, was diesen vermeintlich ziemlich überforderte: «Das Cello ist aus Holz», stotterte Daniel Schaerer, was die Schülerinnen und Schüler mehr als lustig fanden. Es hatte fast den Anschein, als ob die Kinder es sehr geniessen würden, jemanden zu erleben, der auf dem Schlauch steht – eine Situation, die viele aus der Schule kennen.

Die Androhung der Künstler, jetzt eine dreistündige Oper zu spielen, glaubte niemand im voll besetzten Saal. Tatsächlich spielten die beiden Cellisten virtuos in 60 Sekunden die kürzeste Zauberflöte, die je eine Bühne gesehen hatte. In der Konzepthalle 6 lieferte die Compagnia Due, Bernhard Stöckli und Andreas Manz, ihre Visual Comic Show mit überraschender Situationskomik ab.

Gilbert und Oleg, auch bekannt als Kleintheater Fahrieté, versetzten in der Alten Oele ihr junges Publikum ins Staunen. Für nostalgisches Kinofeeling sorgte Hermes Baby mit der Vertonung des Buster-Keaton-Stummfilms «Sherlock Jr.» im Kino Rex. «Bärndütschi Gschichte» über den turbulenten Alltag der Familie Fröhlich erzählten Sabine und Katja Dänzer. Mutter und Tochter nennen sich Sabinekatja. Sie boten Erzähltheater zum An-den-Lippen-Hängen.

Abends ging der Kleinkunsttag fürs erwachsene Publikum mit einem Teil jener Formationen weiter. Dazu gesellte sich der Kabarettist und Liedermacher Manuel Stahlberger mit «Neues aus dem Kopf» im Saal des Freienhofs.

Thuner Tagblatt

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