Nemo räumt an den Music Awards ab

An den Swiss Music Awards am Freitag durfte der Bieler Rapper Nemo vier Preise entgegen nehmen, unter anderem in der Kategorie «Best Live Act». Züri West gewannen zwei «Pflastersteine».

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Es ist 20.59 Uhr, als sich für einen Moment die musikalische Unterwelt zu Wort meldet, an den sonst so hell ausgeleuchteten Swiss Music Awards. Und sie bricht die oscareske Hurrastimmung doch empfindlich. Kurz zuvor hat die Sorglos-Truppe Hecht ihre Liebe zu einer gewissen Julia beteuert, Nemo, der Gute-Laune-Bub der Nation, hamsterte Steintrophäen im Minutentakt (am Ende waren es vier). Und Ed Sheeran wurde von der Schweiz aus zum besten Solokünstler der Welt gekürt, wohl weil bekannt ist, dass er für solche Anlässe gern kleine Dankesvideos verfertigt. Das lässt sich dann prima auf die Grossleinwand projizieren, zur Selbstvergewisserung, dass man doch irgendwie der grossen weiten Musikwelt zugehörig ist.

Nemo nach der Preisverleihung im Interview. Video: SDA

Furchen in die Musikwelt

Die Unterwelt betritt in der Person des Coroner-Gitarristen Tommy Vetterli die Hallenstadionbühne. Er würdigt den kürzlich verstorbenen Celtic-Frost-Bassisten Martin Stricker, der wahre Furchen in die Musikwelt gekratzt hat und neben dem Gewinner wie Nemo oder Eliane blass wirken wie die Figuren im SRF-Krimi «Wilder». Stricker wird posthum der Tribute Award verliehen, was im Vorfeld zum Werweissen Anlass gegeben hat, ob er zu Lebzeiten einen solchen Preis wohl angenommen hätte.

Eine Veranstaltung, deren Rockengagement sich bisher im Ab­feiern von Jeansjackenrockern wie Krokus erschöpfte, wäre eher nicht sein Ding gewesen. Vetterli konstatiert, «dass Strickers Tod dafür gesorgt hat, dass an diesem Abend nicht nur über die weichgespülte Seite der Musik ge­sprochen wird».

Heimwehleidiges

Tatsächlich geben sich die SMA 2018 erstaunlich selbstkritisch und für einmal angenehm bligg-, pegasus- und stressfrei. Sina und Büne Huber gedenken der verstorbenen Hanery Amman und Polo Hofer mit dem schunkeligen Rumpelstilz-Schlager «Die gfallene Ängel», die Westschweiz zeichnet mit Danitsa eine Rapperin von wahrlich internationaler Klasse aus.

Die Toten Hosen, die von der Moderatorin Alexandra Maurer als «verreckt gute» Liveband angekündigt werden, entpuppen sich als sosolala-gute Halbplaybackband. Und der fabelhafte ­Faber zerrupft die SMA in einer eingespielten Dankesrede als «Schaulaufen für die Prominenz, bei dem es nicht um Musik geht» und erntet ausgerechnet aus jenem Flügel Szenenapplaus, in welchem die Prominenz sitzt.

So geht fast vergessen, dass es doch ein bisschen ernüchternd war, was sich die Schweiz im letzten Jahr so an Musik zusammengekauft hat. An den SMA werden ja bekanntlich nicht ausserordent­liche künstlerische Leistungen ausgezeichnet, sondern ausser­ordentliche Chartplatzierungen. Und da stand Heimwehleidiges von Gölä neben dem Trio-Eugster-Sauglattismus eines Trauffer, der im Showblock das Gefühl, der weiten Welt zugehörig zu sein, jäh wieder verblassen lässt.

Wie hat der Tool-Sänger Maynard James Keenan einst so schön gesagt: «Man möge die Illusion begraben, dass solche Shows die Kunst honorierten. Es geht hier um nichts anderes als um die Musikindus­trie, die sich selber feiert». Das hätten wir durch. Ab Montag also bitte noch ein bisschen spannendere Musik entdecken, liebe Industrie! (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.02.2018, 22:19 Uhr

Die Preisträger

National:

Best Female Solo Act: Eliane

Best Male Solo Act: Nemo

Best Group: Züri West

Best Breaking Act: Nemo

Best Talent (in Zusammenarbeit mit SRF3): Crimer

Best Act Romandie: Danitsa

Best Live Act: Nemo

Best Album: Züri West («Love»)

Artist Award: Faber

Tribute Award: Martin Ain

Best Hit: Nemo («Du») / Weitere Songwriters: Dodo Jud, Lorenz Häberli, Marco Jeger


International:

Best Breaking Act: Rag'n'Bone Man

Best Solo Act: Ed Sheeran

Best Group: Imagine Dragons

Best Hit: Ed Sheeran («Shape of You»)

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